Die Begriffe »Vergangenheitskonstruktion«, »Geschichtsdenken«, »Traditionsbildung« und »Selbstdarstellung« sind Ausdruck eines von der komparativen Nationalismusforschung ausgegangenen intensiven Nachdenkens über die Bildung und Veränderung politischer Identitäten, die Frage nach der Reichweite, Tiefe und Funktionalität des historischen Bewußtseins sowie über Formen der Aneignung und Vergegenwärtigung von Vergangenheit, Zeitbewußtsein und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses.Die hier vorgelegten Beiträge knüpfen an konzeptionelle und inhaltliche Überlegungen dieser Diskussion an und machen sie für eine historische Region fruchtbar, die in der deutschsprachigen Forschung bisher nur marginal wahrgenommen wurde: das östliche Mitteleuropa, jenes Gebiet zwischen Finnischem Meerbusen und Ägäis, das in der Gegenwart immer deutlicher als strukturgeschichtlich und kultursoziologisch zusammengehörende Geschichtsregion wahrgenommen wird. Gerade hier, im multi-ethnisch geprägten Osten der kontinentalen Mitte ist es von besonderer Wichtigkeit, die Konkurrenz verschiedener Erinnerungskulturen grundsätzlich über einen sehr viel längeren Zeitraum hin zu verfolgen.

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Die Konstruktion der Vergangenheit.
Geschichtsdenken, Traditionsbildung und Selbstdarstellung im frühneuzeitlichen Ostmitteleuropa.
- 365 Seiten
- German
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Die Konstruktion der Vergangenheit.
Geschichtsdenken, Traditionsbildung und Selbstdarstellung im frühneuzeitlichen Ostmitteleuropa.
Über dieses Buch
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Information
Inhaltsverzeichnis
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- Joachim Bahlcke / Arno Strohmeyer: Einführung
- Norbert Kersken, Marburg/Lahn: Entwicklungslinien der Geschichtsschreibung Ostmitteleuropas in der Frühen Neuzeit
- Matthias Weber, Oldenburg: Zur Konzeption protonationaler Geschichtsbilder. Pommern und Schlesien in geschichtlichen Darstellungen des 16. Jahrhunderts
- Bogusław Dybaś, Thorn: Geschichtsdenken, Integration und Identität in Livland um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Zur livländischen Geschichte im historischen Werk Jan August Hylzens
- Arno Strohmeyer, Bonn: Die Disziplinierung der Vergangenheit: Das „alte Herkommen“ im politischen Denken der niederösterreichischen Stände im Zeitalter der Konfessionskonflikte (ca. 1570 bis 1630)
- Thomas Winkelbauer, Wien/Tomáš Knoz, Brünn: Geschlecht und Geschichte. Grablegen, Grabdenkmäler und Wappenzyklen als Quellen für das historisch-genealogische Denken des österreichischen Adels im 16. und 17. Jahrhundert
- István Hiller, Budapest: Traditionsbildung und politische Praxis: Die Familie Esterházy im 17. und 18. Jahrhundert
- Hans-Jürgen Bömelburg, Warschau: Das polnische Geschichtsdenken und der Piasten- und Jagiellonenkult in der Frühen Neuzeit
- Jan Harasimowicz, Breslau: Die „nahe“ und „ferne“ Vergangenheit in den ständischen Bildprogrammen der Frühen Neuzeit: Schlesien und Großpolen im historischen Vergleich
- Karen Lambrecht, Stuttgart: Stadt und Geschichtskultur. Breslau und Krakau im 16. Jahrhundert
- Michael G. Müller, Halle: „Die auf feyerlichen Vergleich gegründete Landes-Einrichtung“. Städtische Geschichtsschreibung und landständische Identität im Königlichen Preußen im 17. und frühen 18. Jahrhundert
- Joachim Bahlcke, Erfurt: Die Autorität der Vergangenheit: Geschichtsbilder, Erinnerung und Politik beim höheren Klerus Ungarns im späten 17. und 18. Jahrhundert
- Petr Mat’a, Prag: „O felix Boemia, quando sacerdotum consiliis regebaris“. Geschichte als Argument im politischen Denken des höheren Klerus Böhmens und Mährens im 17. und frühen 18. Jahrhundert
- Stanislaw Roszak, Thorn: Politik und Mäzenatentum. Einstellungen und Verhaltensweisen der polnischen Bischöfe angesichts der kulturellen und politischen Wandlungen unter August dem Starken und August III.
- Autorenverzeichnis
- Personenregister
- Ortsregister
Häufig gestellte Fragen
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