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Das Lebensskript im Märchen erkennen
Über dieses Buch
Essay aus dem Jahr 2016 im Fachbereich Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft, Veranstaltung: "Hohe Schule des Schreibens", Sprache: Deutsch, Abstract: Im Menschen liegen Grundbilder menschlichen Verhaltens und menschlichen Denkens. Diese sind angeblich in allen Kulturen gleich. Ungeheure psychische Wirkungskraft der Märchen: Wenn der Mensch sich bewusst wird, nach welchen Bildern sich sein Leben ausrichtet, gibt ihm das die Freiheit, Einfluss zu nehmen, und das steigert sein Wohlbefinden. Da Märchen Ausdruck dieser Bilder sind, können sie helfen. Gegenläufigen Teile der Persönlichkeit erkennen: Es gibt negative Züge im Menschen wie ein gestörtes Verhältnis zur Autorität, dargestellt in der bösen Stiefmutter. Diese zu erkennen hilft sie zu meistern.DER VATER MORDET DEN SOHNSeit 5000 Jahren gibt es Väter, die ihre Söhne ermorden. Warum?Die Tatsache, dass dieses Motiv in drei so verschiedenen Sprachen erzählt wird, lässt wohl darauf schließen, dass vor vielen tausend Jahren, als diese Sprachen noch Dialekte waren, etwas geschehen ist, dass die Menschen völlig erschütterte, sodass es jahrtausende lang weiter erzählt und auf verschiedene Personen übertragen wurde.Irischer Mythos: Conlai betritt die Atlantik-Küste in Ulster, die Heimat seines Vaters Cucullain Der Sohn, den Aife dem Cuchullain geboren hatte, wurde Conlai genannt. Als viele Jahre vergangen waren, bat Conlai, Cuchullain´s Sohn, seine Mutter Aife, ihn ziehen zu lassen, um seinen Vater zu suchen. Die Edlen von Ulster waren an der Küste am Atlantik versammelt. Da kam in einem Boot Conlai an das Ufer. Conlai weigerte sich, seinen Namen zu sagen. Einer nach dem anderen der Edlen kämpfte gegen Conlai, jeden besiegte er. Endlich griff ihn Cuchullain an. Seine Frau Emer warnte ihn, aber er hörte nicht auf sie. Nachdem Cuchullain Conlai getötet hatte, erkannte er am Schmuckstück seinen Sohn.Cuchullain und Conlai erleben die Problematik des von der Gesellschaft nicht anerkannten Sohnes. Im althochdeutschen Hildebrandslied lehnt Hadubrand seinen Vater Hildebrand ab, weil dieser 30 Jahre abwesend war und Hadubrand nicht wollte, dass er Besitzansprüche stellte. Auch Hildebrand tötet seinen Sohn Hadubrand. Der persische Rostam tötet seinen Sohn im Kampf, dem er im feindlichen Heer gegenübersteht.Laut dem Psychologen Jürgen Zeuner fühlen Menschen sich wohler, wenn sie sich klar werden, ob sie in ihrem Leben Vater oder Sohn entsprechen, wobei Vater für Autorität und Sohn für Abhängigkeit steht. Dabei ist zu beachten, dass der Sohn den Kampf will, der Vater, jedenfalls im Hildebrandslied, nicht.
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