Identität und Kontinuität
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Identität und Kontinuität

Form und Funktion der Rückkehrerliste Esr 2

  1. 339 Seiten
  2. German
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Identität und Kontinuität

Form und Funktion der Rückkehrerliste Esr 2

Über dieses Buch

Die Kapitel Esr 1-3 bilden den Auftakt einer Rückkehr-Tempelbau-Erzählung, die die Restauration der judäischen Gemeinde in nachexilischer Zeit schildert. Besonders die Herkunft und Authentizität der im Zentrum dieses Prologs stehenden Rückkehrerliste Esr 2 sowie ihr Charakter als sekundäre Einfügung sind dabei in der bisherigen Forschung immer wieder kontrovers diskutiert worden.

Die vorliegende Studie bietet nun eine umfassende Untersuchung dieser Liste sowohl im Hinblick auf Form und Inhalt als auch auf ihre Einbettung und Funktion für den Erzählkontext Esr 1-3. Dabei zeigt sich, dass die Rückkehrerliste nicht aus ihrem Kontext herauszulösen ist, sondern mit diesem gemeinsam einen Motivkomplex bildet, der an den ersten Exodus gemahnt. Dabei lässt gerade die Liste selbst Rückschlüsse auf die Konstruktion nachexilisch-jüdischer Identität im Spannungsfeld von Kontinuität und Diskontinuität zu.

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Information

1Einleitung

Und so zog also aus jedem Geschlecht eine bestimmte Zahl aus. Ich halte es nun nicht für zweckmäßig, diese Geschlechter alle einzeln aufzuzählen, damit der Leser nicht von dem Zusammenhang der Begebenheiten abgelenkt werde und der Geschichtserzählung besser folgen könne. (Josephus, Ant. XI, 68)
Dieser Auszug aus Josephus’ Version der Rückkehr-Tempelbau-Erzählung zeigt deutlich, wie er das ihm vorliegende Textmaterial gewichtet. Während der Fokus seines Erzählinteresses auf den Umständen und Begebenheiten der Rückkehr des Volkes Israel aus der babylonischen Gefangenschaft und des Wiederaufbaus des Tempels liegt, tritt die Auflistung der Rückkehrer selbst in den Hintergrund. Die Liste der einzelnen Geschlechter ist für seine Erzählabsicht uninteressant, ja lenke von den eigentlichen Geschehnissen ab.
In Esr 1-6 hingegen, der kanonischen Version der Rückkehr-Tempelbau-Erzählung, nimmt die Liste der Heimkehrer ein ganzes Kapitel ein: Esr 1 schildert den Aufbruch aus Babylonien und die Rückgabe der Tempelgeräte, Esr 2 liefert sodann ein ausführliches Verzeichnis der heimkehrenden Exilierten, und Esr 3 knüpft mit Altarbau und Grundsteinlegung des Tempels durch die Alijot an die Heimkehr an. Die aramäischen Kapitel 46 schildern schließlich Spannungen und Anfeindungen bis hin zur Tempeleinweihung.
Während die Liste Esr 2 somit im Zentrum des hebräischen Erzähltextes steht, hält Josephus jedoch für seine Geschichtsschreibung eine Aufzählung der einzelnen zurückgekehrten Geschlechter für unnötig. Auch der heutige Leser springt gerne über das spröde Listenmaterial hinweg, um besser dem Berichteten folgen zu können. Das Empfinden, dass die Liste in Esr 2 den Erzählverlauf unterbricht, hat in der Forschung häufig dazu geführt, diese als Zusatzmaterial zu betrachten, mit dem der Autor oder ein späterer Redaktor die Erzählung entweder weiter ausgestalten bzw. untermauern oder als Ersatz für einen Rückkehrbericht fungieren lassen wollte.1 Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die Liste unverzichtbar für ihren Kontext ist oder ob die Rückkehr-Tempelbau-Erzählung auch ohne Esr 2 auskäme.
Ihr offiziell anmutender Charakter hat dabei immer wieder eine Diskussion um ihre Authentizität und ihren Quellencharakter entfacht – liegt uns mit Esr 2 eine tatsächliche Abschrift aus dem Tempelarchiv vor?2 Wie ist das Dokument dann zeitlich einzuordnen?3 Oder haben wir es mit einer bloßen Fabrikation des Verfassers zu tun?4
Zugleich findet sich aber ebendiese Rückkehrerliste erneut in Neh 7, und auch die Esraerzählung präsentiert eine weitere Auflistung von Heimkehrern (Esr 8,1-14), die deutliche Ähnlichkeiten zu Esr 2 par. aufweist. Die Liste in Esr 2 und ihr Erzählkontext Esr 1-6 scheinen mit dem Rest des Esr-Neh-Buches auf komplexe Weise verwoben, obgleich der Text sich inhaltlich abgrenzen lässt. Im Hinblick auf die Zusammensetzung der ersten sechs Kapitel des Esrabuches und ihr Verhältnis zur folgenden Esraerzählung bzw. zur gesamten Komposition des Esr-Neh-Buches ist auch in der gegenwärtigen Forschungsdebatte noch kein Konsens erreicht. Dabei hat die Komposition der Rückkehr-Tempelbau-Erzählung Esr 1-6 in der Vergangenheit vergleichsweise wenig Beachtung gefunden. Wenngleich in den letzten zwei Jahrzehnten das Interesse an Esr-Neh stark gewachsen ist, scheint ein vorrangiger Fokus auf der Esraerzählung und der sogenannten Nehemia-Denkschrift bzw. auf den beiden Protagonisten zu liegen.5 Auch die Monographien der letzten Jahrzehnte befassen sich entweder mit dem gesamten Esr-Neh-Buch oder der Esra- bzw. Nehemiaerzählung.6 Ausführlichere Studien zu den Listen des Esr-Neh-Buches finden sich zuletzt bei Smend (1881)7 und Mowinckel (1964).8 Die Liste in Esr 2 wurde zudem in einem Aufsatz von Redditt (2012)9 sowie im Rahmen der Studien von Heckl (2016)10 ausführlicher diskutiert. Darüber hinaus gibt es allerdings in der neueren Forschung keine einschlägige Untersuchung, die sich dezidiert mit jenen Listen beschäftigt.
Die vorliegende Arbeit möchte daher die bisher eher ausgesparte Liste Esr 2 in den Fokus nehmen. Ziel soll es dabei sein, die Liste nicht nur isoliert im Hinblick auf ihre Authentizität und Ursprünglichkeit zu betrachten, sondern zugleich auch ihre Einbettung und Funktion im vorliegenden hebräischen Erzählkontext Esr 1-3 zu untersuchen. Dabei muss jedoch immer auch die gesamte Komposition von Esr 1-6 im Blick behalten werden. Denn der Text bietet keinen chronologisch stimmigen Erzählverlauf, präsentiert manche Ereignisse doppelt (etwa das Kyros-Edikt und die Grundsteinlegung in Esr 1; 3 bzw. Esr 5 f) und wechselt nach der Hälfte des Textes ins Aramäische, um die Erzählung dann wieder mit wenigen hebräischen Versen (Esr 6,19-22) abzuschließen. Esr 1-6 präsentiert sich als hebräisch-aramäische Komposition von „material of two major literary genres: narrative and document, and the transition between them or their integration do not depend upon the change in language“.11
Diese Beobachtung hat in der bisherigen Forschung Anlass zu verschiedenen Erklärungsversuchen bezüglich der Entstehung gegeben. Dabei gehen vor allem frühere Kommentare und Untersuchungen im Rahmen der Hypothese eines Chronistischen Geschichtswerkes (ChrG) von einer Abfassung von Esr 1-6 durch den sogenannten Chronisten aus. Diesem werden nicht nur 1/2 Chr zugeschrieben, sondern auch die entsprechende Fortsetzung der Geschichte Israels durch die Kompilation der Bücher Esr-Neh.12 Der Chronist habe dieser Auffassung zufolge unter Aufnahme verschiedener (authentischer) Quellen die Rückkehr-Tempelbau-Erzählung Esr 1-6 als Auftakt zu Esr-Neh und als Brücke zu 1/2 Chr verfasst. Dabei habe er vor allem vorhandenes Material – entsprechend auch die Liste in Esr 213 – kompiliert und in einen Erzählrahmen eingebettet. Die Arbeit des Chronisten bilde demnach den Abschluss des Entstehungsprozesses von Esr-Neh.
Daran anknüpfend geht die letzte große Untersuchung sämtlicher Listen des Esr-Neh-Buches durch Mowinckel von einer mehrstufigen Entstehungsgeschichte des Esr-Neh-Buches aus, wobei die Erzählung Esr 1-6 zwar samt der für authentisch befundenen Liste Esr 2 durch den Chronisten kompiliert worden, eine letzte Bearbeitung jedoch mit der Anfügung der Nehemiaerzählung in nachchronistischer Redaktion erfolgt sei:14 „Erst die nachchronistische Redaktion hat die Nehemiadenkschrift mit der Ezrageschichte des Chron verbunden und das grosse Chaos in Neh 7-12 geschaffen.15 Neh 7 sei dabei durch den nachchronistischen Verfasser aus Esr 2 entlehnt worden.16
Eng mit der Auffassung einer gemeinsamen Komposition von 1/2 Chr und Esr-Neh verbunden ist auch die Diskussion um die literarische Ursprünglichkeit des uns nur in griechischer Sprache überlieferten, apokryphen 3 Esrabuches. Dieses bietet ebenfalls eine Version der Rückkehr-Tempelbau-Erzählung inklusive Heimkehrerliste (3 Esr 5). Es beginnt jedoch mit Material aus den letzten beiden Kapiteln des 2 Chronikbuches und hat wohl auch Josephus’ Geschichtsschreibung zugrunde gelegen. Lange Zeit war daher die sogenannte „Fragmenthypothese“ vorherrschend, der zufolge mit 3 Esr nur ein Fragment des Gesamttextes, aber dennoch eine ursprüngliche Version des Esrabuches erhalten sei und die zugleich beweise, dass Esr originär mit 1/2 Chr verbunden war.17 Allen diesen Entwürfen gilt Williamsons Kritik, dass unter der Annahme, „that Chronicles, Ezra, and Nehemiah were all part of a single work (with or without the NM in its “first edition”), Ezra 1-6 has not received the attention it deserves in scholarly research.“18
Im Zuge der Arbeiten von Japhet und Williamson19 ist in jüngerer Zeit stärker von der These einer gemeinsamen Verfasserschaft von 1/2 Chr und Esr-Neh Abstand genommen worden. Sowohl Japhet als auch Williamson analysieren die Texte vor allem auf sprachlich-stilistischer, aber auch auf inhaltlicher Ebene und kommen zu dem Schluss, dass die Unterschiede zwischen den beiden Werken deutlich überwiegen. So fasst Japhet zusammen: „Chr und Esr-Neh stellen zwei verschiedene Werke von zwei verschiedenen Autoren dar. Sie weisen nicht nur eine Fülle von mehr oder weniger geringfügigen Unterschieden sprachlicher, stilistischer und literarischer Art auf und vertreten unterschiedliche, häufig entgegengesetzte historische und theologische Auffassungen; aufs Ganze gesehen handelt es sich um zwei verschiedene Ausprägungen biblischer Geschichtsschreibung während der persisch-hellenistischen Epoche.“20 Gemeinsam ist ihnen, dass „[t]hey are both fruits, however, of the spiritual endeavour of the Restoration community, and represent the last fruits of biblical historiography.“21
Dennoch ist in der Forschungsdiskussion diesbezüglich noch kein Konsens erreicht.22 Selbst Williamson bemerkt im Hinblick auf eine abschließende Redaktion von Esr-Neh: „[…] this editor should probably be linked with the circle of those who had previously subjected the bo...

Inhaltsverzeichnis

  1. Cover
  2. Titelseite
  3. Impressum
  4. Widmung
  5. Inhalt
  6. Vorwort
  7. 1 Einleitung
  8. 2 Die dreifache Überlieferung der Rückkehrerliste in Esr 2, Neh 7 und 3 Esr 5
  9. 3 Esr 2 im Kontext der Rückkehr-Tempelbau-Erzählung Esr 1-3
  10. 4 Kontinuität oder Diskontinuität? Esr 2 als Teil eines Motivkomplexes
  11. 5 Die Konstruktion von Identität – Das „Israel“ in Esr 2
  12. 6 Ertrag und Ausblick
  13. Anhang
  14. Literaturverzeichnis
  15. Register