Anatomische Kenntnisse des Kopf- und Halsbereichs sind für Zahnmediziner unverzichtbar. Dieses neue Lehrbuch umfasst das kompakte Wissen, erstmals kombiniert mit zahlreichen klinischen Hinweisen, die in Zusammenarbeit mit Zahnklinikern der Universitäten Halle-Wittenberg und Erlangen-Nürnberg sowie mit niedergelassenen Zahnärzten erarbeitet worden sind. Einzigartig sind auch die kompakte Darstellung des Zentralen Nervensystems sowie die umfassende Abhandlung der Schädelentwicklung. Am Ende eines jeden Kapitels fasst ein Fazit das Wichtigste zusammen.

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Kompaktwissen Kopf- und Halsanatomie
für Zahnmedizinstudierende, Zahnärzte, Kiefer-, Oral-, Kopf- und Halschirurgen, Kieferorthopäden, Zahntechniker
- 469 Seiten
- German
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Kompaktwissen Kopf- und Halsanatomie
für Zahnmedizinstudierende, Zahnärzte, Kiefer-, Oral-, Kopf- und Halschirurgen, Kieferorthopäden, Zahntechniker
Über dieses Buch
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Information
Thema
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Zahnmedizin1Skelett des Kopfes und des Halses
1.1Skelett des Kopfes
1.1.1Der Schädel
Der Schädel des Menschen besteht aus 8 paarig angelegten und 6 unpaarigen Knochen. Der Unterkiefer ist der einzige bewegliche Knochen des Schädelskeletts. Er ist mit dem Schläfenbein durch ein Gelenk verbunden. Die übrigen 21 Schädelknochen sind miteinander durch Nähte (Suturae) fest verbunden. Die Suturae bleiben bis in das Erwachsenenalter bindegewebig.
1.1.1.1Die Schädelknochen
Die Form des menschlichen Schädels wurde in der Stammesgeschichte durch zwei Faktoren wesentlich beeinflusst: zum einen durch die Entwicklung des Gehirns und zum anderen durch die Anpassung des Kauapparates an unterschiedliche Ernährungsbedingungen. Der Schädel lässt sich in einen Hirnschädel, Neurocranium, und einen Gesichtsschädel, Splanchnocranium, gliedern. Das Neurocranium dient dem Gehirn als Schutz. Das Splanchnocranium liefert die knöcherne Grundlage für den Kauapparat und begrenzt mit seinen Knochen Teile der Augenhöhlen und der Mundhöhle sowie die Nasenhöhle. Nachfolgend werden die Schädelknochen einzeln beschrieben, wobei Morphologie, anthropologische Geschlechtsmerkmale und Typ der Verknöcherung berücksichtigt werden. Die Knochen des Schädels verknöchern teils desmal, teils chondral oder gemischt desmal/chondral. Bei der desmalen Verknöcherung erfolgt die Knochenbildung aus Bindegewebszellen, die sich zu Osteoblasten differenzieren. Bei der chondralen Osteogenese bilden Chondroblasten zunächst ein knorpeliges Modell, das der späteren Form des Knochens entspricht; im weiteren Verlauf ersetzen Osteoblasten dieses Modell durch Bildung von Knochengewebe, wobei das Knorpelgewebe abgebaut wird.
Das Chondrocranium bildet ursprünglich eine geschlossene Knorpelkapsel für die Aufnahme des Gehirns und der großen Sinnesorgane (Haifisch). Beim Menschen besteht keine in sich geschlossene Knorpelkapsel mehr, sondern eine offene Schale, die ungefähr der späteren Schädelbasis entspricht. Die Knochen des Schädeldaches und des Gesichtsschädels entstehen durch desmale Osteogenese, sie bilden das Desmocranium. In der 7. Embryonalwoche treten erste Knochenbälkchen im Unterkiefer (Mandibula) und kurz darauf im Oberkiefer (Maxilla) auf. Es folgen die Schuppenteile (Squamae) des Stirn- und Schläfenbeins sowie des Scheitelbeins. Gegen Ende der Fetalperiode ossifizieren das Felsenbein mit den Gehörknöchelchen chondral.
In diesem Kapitel wurde hinsichtlich der Fachsprache durchgehend auf die Terminologia Anatomica (Federative Committee on Anatomical Terminology, FCAT, Mainz, 1998) zurückgegriffen. Für Beschreibung der Schädelknochen wurde zum Teil die Darstellung von Tillmann und Töndury im „Rauber/Kopsch, Anatomie des Menschen, Band I“ [1] benutzt.
Die Foramina des Schädels mit den durchtretenden Leitungsbahnen sind in Tab. 1.1 zusammengefasst.
Tab. 1.1: Foramina des Schädels mit durchtretenden Leitungsbahnen




1.1.1.1.1Knochen des Hirnschädels (Neurocranium)
Stirnbein (Os frontale)
Das Stirnbein entsteht aus zwei Anlagen. Zwischen rechter und linker Anlage liegt die Sutura frontalis. Die Verknöcherung dieser Naht beginnt im zweiten Lebensjahr und endet um das achte Lebensjahr. Danach liegt das Stirnbein als einheitlicher Knochen vor. Bei 7 bis 10 % der Erwachsenen bleibt die Stirnnaht als Sutura frontalis persistens (Sutura metopica) erhalten.
Das Stirnbein ist ein platter Knochen, an dem zwei Partes orbitales zur Bildung des Augenhöhlendaches sowie eine gewölbte Squama unterscheidbar sind (Abb.1.1). In die Incisura ethmoidalis ist das Siebbein (Os ethmoidale) eingelagert. Am Stirnbein sind zahlreiche Geschlechtsmerkmale ausgebildet. Die paarigen Stirnhöhlen (Sinus frontales) wölben den Knochen in Form der Überaugenbrauenbögen, Arcus superciliares, welche bei Männern kräftiger als bei Frauen ausgeprägt sind, hervor. Der Ausführungsgang der Stirnhöhle, Ductus nasofrontalis, mündet über den Hiatus semilunaris in den mittleren Nasengang. Auch die Glabella, zwischen den Arcus superciliares gelegen, ist bei Männern durchschnittlich stärker ausgeprägt als bei Frauen. Die Wölbung der Squama frontalis, auch als Inclinatio frontalis bezeichnet, schwankt von nahezu vertikal beim typisch weiblichen Schädel bis zu stark fliehend beim typisch männlichen Schädel. Die Stirnbeinhöcker, Tubera frontalia, sind bei Männern schwächer als bei Frauen. Die Form der Augenhöhle, Orbita, ist bei Frauen runder, bei Männern viereckiger. Der Rand der Augenhöhle, Margo supraorbitalis, ist bei Frauen eher scharfkantig und bei Männern eher abgerundet. Das Stirnbein verknöchert desmal.

Klinik
Der Sinus frontalis kann bei einer Stirnhöhlenentzündung betroffen sein.
Scheitelbein (Os parietale)
Durch die Kranznaht (Sutura coronalis) ist das Stirnbein mit den beiden Scheitelbeinen verbunden. Das Scheitelbein ist ein paariger, platter, schwach gewölbter Knochen mit vier Ecken: Anguli frontalis, sphenoidalis, occipitalis und mastoideus (Abb.1.2). Beide Scheitelbeine sind durch die Pfeilnaht (Sutura sagittalis) miteinander verbunden. Das Tuber parietale liegt im Zentrum des Scheitelbeins und ist bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern. In der Gegend des Tuber parietale wird das Schädeldach im Alter durch Osteoporose oft dünner (parietal thinning). Die nach lateral abfallenden Teile der Scheitelbeine bilden zusammen mit dem Schläfenbein (Os temporale) die Seitenwände des Schädels. An den Außenseiten dieser abfallenden Teile findet man eine Linea temporalis superior und eine Linea temporalis inferior. Von der Linea temporalis inferior entspringt der M. temporalis, ein wichtiger Kaumuskel. Das Scheitelbein verknöchert desmal.

Klinik
In den Sulci arteriosi an der Innenseite des Scheitelbeins und der Squama temporalis des Schläfenbeins verlaufen die Äste der A. meningea media, die beim sogenannten epiduralen Hämatom oftmals Ursache der Blutung ist.
Hinterhauptsbein (Os occipitale)
Die Scheitelbeine sind über die Lambdanaht (Sutura lambdoidea) mit dem Hinterhauptsbein verbunden. Das Hinterhauptsbein lässt sich in eine Pars basilaris, zwei Partes laterales und eine Squama gliedern (Abb.1.3). Durch die Linea nuchae superior wird an der Squama occipitalis ein unterer und ein oberer Teil abgegrenzt. Diese vier, während der Schädelentwicklung durch die Synchondroses intraoccipitalis anterior und posterior verbundenen Teile umgrenzen das Hinterhauptsloch (Foramen magnum).

An der Innenfläche der Squama werden durch eine vertikal gestellte Furche, gebildet durch den Sulcus sinus sagittalis superioris und die Crista occipitalis interna, sowie durch eine horizontal ausgerichtete Furche, gebildet durch den Sulcus sinus transversi, vier Gruben begrenzt. Die oberen beiden Gruben nehmen die Hinterhauptslappen des Großhirns auf, die unteren beiden Gruben enthalten die Kleinhirnhemisphären. Im Kreuzungspunkt der Furchen liegt die Protuberantia occipitalis interna. An der Außenfläche der Squama entspricht diesem Knochenvorsprung die Protuberantia occipitalis externa, die bei Frauen durchschnittlich schwächer ausgeprägt ist als bei Männern. An der Außenfläche der Squama sind drei Querleisten ausgeprägt: Linea nuchae suprema, Linea nuchae superior und Linea nuchae inferior. Diese leistenartigen Vorsprünge dienen der Nackenmuskulatur als Ansatz und sind ein geschlechtsdifferentes Merkmal. Bei Männern hat das Planum nuchale auf Grund der kräftigeren Nackenmuskulatur stärkere knöcherne Vorsprünge als bei Frauen.
Die Partes laterales bilden die Condyli occipitales zur gelenkigen Verbindung mit dem ersten Halswirbel, dem Atlas. Oberhalb des Condylus occipitalis liegt der Canalis hypoglossi, durch den der N.hypoglossus den Schädel verlässt. Die Pars basilaris bildet zusammen mit dem Keilbeinkörper (Corpus ossis sphenoidalis) den Clivus (Abhang). Auf dem Clivus liegt der Pons (die Brücke). Bis zum Wachstumsabschluss sind Pars basilaris ossis occipitalis und Corpus ossis sphenoidalis durch eine Wachstumsfuge, die Synchondrosis sphenooccipitalis, verbunden. Der obere Teil der Squama occipitalis verknöchert desmal, der untere chondra...
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Titelseite
- Impressum
- Zum Geleit
- Vorwort
- Inhaltsverzeichnis
- 1 Skelett des Kopfes und des Halses
- 2 Zähne und Gebiss
- 3 Gesichtsmuskeln und Haut des Gesichtes
- 4 Das Kiefergelenk
- 5 Der Kauapparat
- 6 Die Mundhöhle
- 7 Die Nase
- 8 Das Auge
- 9 Das Ohr
- 10 Die Arterien, Venen und Lymphgefäße an Kopf und Hals
- 11 Die Nerven an Kopf und Hals
- 12 Die Eingeweide des Halses
- 13 Entwicklung des kranio-fazialen und kranio-zervikalen Systems
- 14 Gehirn und Rückenmark
- Allgemeine und weiterführende Literatur
- Stichwortverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
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