Die Lehnwörter im Wortschatz der spätbyzantinischen historiographischen Literatur
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Die Lehnwörter im Wortschatz der spätbyzantinischen historiographischen Literatur

  1. 286 Seiten
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Die Lehnwörter im Wortschatz der spätbyzantinischen historiographischen Literatur

Über dieses Buch

Die vorliegende Publikation beschäftigt sich mit den Lehnwörtern, die sich in 18 spätbyzantinischen Historien und Chroniken befinden. Um die lexikalischen Interferenzen im Wortschatz der spätbyzantinischen historiographischen Literatur zu analysieren wurden alle Wörter (außer Toponyma und Eigennamen) erfasst, die einen Sprachkontakt belegen. Besonderer Akzent wurde auf den soziolinguistischen Kontext der benutzten Wörter gelegt.

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Information

Jahr
2018
eBook-ISBN:
9783110585452

Lemmata

ἀγᾶς, ὁ
Ü: osmanischer Titel.
H: Im Osttürk. bedeutet aġa generell „der ältere Bruder“, in der jakut. Sprache nimmt das Wort die Bedeutung „Vater“ an, im Koib.-Karag. sogar „Onkel“ und „Großvater“.1 Im Osm. häufig vorkommender Titel, meistens im Sinne „Herr“, „Vorgesetzter“. Wird besonders für die niederen militärischen Ränge und für Analphabeten im Hofdienst gebraucht.2 Als Fremdwort kommt aġa in fast allen europäischen Sprachen vor.3
B: Der erste sicher datierte Beleg erscheint in der Urkunde Mehmeds II. für die vornehmsten Geschlechter Moreas aus dem Jahr 1454.4
Hist: Ducas 211,12 bringt den Titel in Verbindung mit Demetrios, dem Gesandten des Giovanni Adorno (Δημήτριόν τινα Ἀγὰν).5 Der Titel wird manchmal mit dem betreffenden Namen, auf den er sich bezieht, zusammengeschrieben, wie es bei Ducas 307,8 der Fall ist, wo der Janitschare Φερούζ-αγας (Fīrūz) genannt wird.
IN: Chalk II 144,7 scheint den gräzisierten Titel (Ἀγιάπασαν) des Janitscharen Kasanġi Tugan wiederzugeben.6
A: 1. RADLOFF 1, 143; EI 1, 245b–246a. – 2. REDHOUSE 146a–b; EI 1, 246a. – 3. BORETZKY 1975, 2, 13; KAKUK 1973, 28–29; LOKOTSCH Nr. 28; STACHOWSKI 1967, 12; STACHOWSKI 1971, 14; VASMER 1, 4; WENDT 1960, 131–132; STOJAKOVIĆ 1980, 409. – 4. MM III, Nr. 7. – 5. PLP 5260. – 6. PLP 230; NIMET 1933, 33, 74.
L: EI 1, 245b–246a; MorII 55; TRIANDAPHYLLIDIS 1909, 148.
Claudia Römer – Vratislav Zervan
ἀγιάδες, οἱ
H: Aus Osm. yaya in der Bedeutung „zu Fuß“, „Fußgänger“, „Infanterist“.1 Ursprünglich ein alttürk. Wort yadağ, wobei im Osm. der Konsonant d in y umgestaltet wurde.2
B: Hapax legomenon.
Hist: Chalk II 115,1 (ἀγιάδες) weist mit καλούμενοι und οἱ Ἀσιανοὶ auf ein Fremdwort hin, das er in den darauffolgenden Zeilen mit πεζός τε ὅμιλος ἐπί τε τὰς χρείας τοῦ στρατοῦ χρώμενος διατελεῖ, καὶ ἐς τὴν τῶν ὁδῶν κάθαρσιν ἄγεται τούτους καὶ ἐς τὰ στρατόπεδα erklärt.
A: 1. ZENKER 2, 957c. – 2. CLAUSON 887; MERGEN 2001, 9–10.
L: ÁGOSTON 2012; EI 11, 301a; KÁLDY-NAGY 1976; Káldy-Nagy 1977, 162; LBG Bd. 1, 8; MORII 55–56. Claudia Römer – Vratislav Zervan
ἀζάπης, ὁ
V: ἀζάπηδες (Ducas 363,1).
Ü: Fußsoldat, Matrose.
H: Arab. ῾azab „Eheloser“, „Lediger“, „Junggeselle“.1 In der osm. Zeit wurde zwischen yaya ῾azebleri (Fußsoldaten) und deñiz ῾azebleri (Matrosen) unterschieden. Unterabteilung der yaya ῾azebleri waren die qal῾e ῾azebleri (Festungs- ῾azeb).2 Das Wort kommt im It.,3 Serb.,4 Rum.,5 Ung.6 vor.
B: Die früheste Erwähnung in Mach 630,10 und 654,30. Da aber in Panar 76,25 eine innergriech. Neubildung ἀζάπικος zum Jahr 1368 vorliegt, kann man mit einer früheren Übernahme des Wortes rechnen.
Hist: In Chalk II 5,1 mit der Formulierung καὶ ἀζάπιδας τοὺς Τούρκων πεζοὺς οὕτω καλουμένους erklärt. Nähere Beschreibung noch in Chalk II 10,7–8 (οἱ δὲ ἀζάπιδες ὑφ’ ἑνὶ ἄρχοντι ἑπόμενοι, ἐς ταὐτὸ γιγνόμενοι στρατεύονται). Ducas 337,12 Erzählung über einen τῶν ἀζαπίδων, der dem Flottenkommandanten Balta-oglu7 ein Auge ausschlug, deutet wahrscheinlich auf einen Matrosen hin. Nach Ducas 363,1 werden ἀζάπηδες auch als Janitscharen bezeichnet (Οἱ δὲ τῆς αὐλῆς τοῦ τυράννου ἀζάπηδες, οἱ καὶ γενίτζαροι κέκληνται, οἱ μὲν ἐν τῷ παλατίῳ κατέδραμον).
IN: Panar 76,25 kennt die innergriech. Neubildung ἀζάπικος, die wahrscheinlich zur Bezeichnung der Piratenschiffe der lokalen Seeräuber aus der Gegend von Trapezunt gebraucht wurde (διὰ τὸ κοῦρσον, ὃ ἐποίησαν τὰ ἀζάπικα παρασκάλμια τοὺς Ἀρανιώτας).8
A: 1. ZENKER 2, 628a; TIETZE I 246a; STACHOWSKI I 24. – 2. RÖMER 1995, 26 mit der dort genannten Literatur. – 3. SPANDUGNINO 227, 44 etc.; IACOPO DE PROMONTORIO 55, Anm. 1 etc. – 4. ŠKALJIĆ 1966, 106. – 5. ŞĂINEANU1900, III, 137. – 6. KAKUK 1973, 50–51. – 7. PLP 21580. – 8. BRYER 1975, 146, Anm. 137; ŠUKUROV 2001, 226–227.
L: ÁGOSTON 2012; EI 1, 807a–b; IMBER 2002, 259–260; KÁLDY-NAGY 1977, 163–164; KARAPOTOSOGLU 1980, 338–341; KRIARAS 1, 107–108; MORII 56; PSALTES 1913, 169; TRIANDAPHYLLIDIS 1909, 149.
Claudia Römer – Vratislav Zervan
ἀκιντζής, ὁ
Ü: Plünderer, Streifzügler.
H: Osm. akıncı „Plünderer“, „Streifzügler“1 ist ein denominales Nomen agentis aus dem osm. Substantiv akın „Raubzug“, „Streifzug“.2 Das Wort kommt im It.,3 Serb.,4 Rum.,5 Ung.6 und Poln.7 vor.
B: Erscheint zuerst im spätbyzantinischen Poem über die Schlacht von Varna,8 falls die Annahme rezenter Forschung, die sich für die Datierung des Gedichtes in die Jahre 1453–1456 aussprach, richtig ist.9
Hist: In Ducas 239,1 eher in der Bedeutung „Gesandte“ benutzt. Ducas schreibt, dass die Akıncı die Botschaft über die Thronbesteigung Murads II. in Serbien und Walachei verkündeten (Στέλλει οὖν ἐν ἐκείνῳ τῷ ἔτει ἀκιντζίδας ἐν Βλαχίᾳ καὶ ἐν Σερβίᾳ δεικνύων τὴν ἀνάῤῥησιν αὐτοῦ). Chalk I 93,2–11 beschreibt sie, ohne das Wort ἀκιντζής zu nennen, als eine leichte Kavallerieeinheit der Osmanen, die unbesoldet und deswegen auf Raub und Plünderung angewiesen ist.
A: 1. ZENKER 1, 79b. – 2. ZENKER 1, 79b. – 3. SPANDUGNINO 227, 12....

Inhaltsverzeichnis

  1. Cover
  2. Titelseite
  3. Impressum
  4. Vorwort
  5. Inhalt
  6. Einführung
  7. Lemmata
  8. Bibliographie
  9. Indices
  10. Abkürzungsverzeichnis

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