Dekolonisierungsgewinner
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Dekolonisierungsgewinner

Deutsche Außenpolitik und Außenwirtschaftsbeziehungen im Zeitalter des Kalten Krieges

  1. 346 Seiten
  2. German
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Dekolonisierungsgewinner

Deutsche Außenpolitik und Außenwirtschaftsbeziehungen im Zeitalter des Kalten Krieges

Über dieses Buch

Im Zeitalter des Kalten Krieges und der Dekolonisierung wurden die Außenwirtschaftsbeziehungen beider deutscher Staaten vor allem durch politisch-strategische Ziele beeinflusst. Die Entstehung zweier Wirtschafts- und Militärblöcke seit Ende der 1940er Jahre wirkte sich auch auf die Außenwirtschaftsbeziehungen der Bundesrepublik und die DDR aus. Ging es Ersterer vor allem um eine Rückkehr auf den Weltmarkt in Anknüpfung an die Vorkriegszeit, so kämpfte die DDR um internationale Anerkennung und wirtschaftliche Kontakte auch außerhalb des sozialistischen Lagers. Die Staaten der "Dritten Welt" entwickelten sich sowohl für die BRD als auch für die DDR zu interessanten Wirtschaftspartnern, wobei beide im Windschatten der Führungsmächte USA und UdSSR in geostrategisch wichtigen Regionen wie dem Nahen Osten und Afrika, Indien, China und Südostasien intensive Kontakte aufnahmen, die zu einem regelrechten Wettbewerb um politischen und wirtschaftlichen Einfluss führten. In einigen Regionen stießen sie dabei in die Lücken ehemaliger Kolonialmächte und profitierten von der eigenen nicht-kolonialen Vergangenheit, so dass sie im Zuge von Internationalisierung und Entwicklungshilfe als Dekolonisierungsgewinner bezeichnet werden können.

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Information

Jahr
2018
eBook-ISBN:
9783110539189
Xin Tong

Die Wende in den Handelsbeziehungen zwischen der DDR und der VR China in den Jahren 1960 – 1962

Diese Arbeit wurde durch die Fritz-Thyssen Stiftung gefördert.
Die Volksrepublik (VR) China und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) sind nahezu zeitgleich – im Oktober 1949 – gegründet worden. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern, die gleichsam als Außenposten des kommunistischen Lagers angesehen wurden, spielten im Kalten Krieg eine besondere Rolle. Eine der wichtigsten Erwartungen der DDR-Führung im Hinblick auf die Beziehungen zur VR China richtete sich auf eine Intensivierung des Außenhandels als Grundlage des bilateralen Verhältnisses. In Phasen, in denen der ökonomische Austausch zurückging, traten deshalb wiederholt Spannungen in den Beziehungen auf. Obgleich der Handel nicht der einzige Faktor war, spielte er bei der politischen Entfremdung seit 1961 und für die Wiederannährung 1984 eine sehr wichtige Rolle. In diesem Aufsatz möchte ich meine Forschungsergebnisse über die Veränderung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der DDR und der VR China am Anfang der sechziger Jahre darstellen und die Gründe analysieren.
Die bisherige Forschung zu den ostdeutsch-chinesischen wirtschaftlichen Beziehungen betont vor allem die Schlüsselrolle der politischen Beziehungen in diesem Zusammenhang.1 Die Feststellung von Nicole Stuber ist recht typisch: „Es gibt jedoch keine Indizien dafür, dass wirtschaftliche Notwendigkeit ein ausschlaggebender Grund gewesen wäre, um möglichst enge Kontakte zur VR China zu pflegen. Es war eher umgekehrt; man hat versucht, die wirtschaftlichen Beziehungen zu politischen Zwecken zu nutzen.“2 Diese bisherigen Forschungen haben drei Schwächen:
Erstens unterschätzen sie die wirtschaftliche Abhängigkeit der DDR von der VR China.
Zweitens übersehen sie die großen Unterschiede in der Außenhandelspolitik beider Staaten vor und nach dem Jahr 1961.
Drittens haben die Untersuchungen der westlichen Forscher eine eindeutig ostdeutsche Perspektive, da sie ausschließlich auf deutschen Archivquellen basieren.
Der Schwerpunkt dieses Aufsatzes ist es, die Prioritäten im Außenhandel der VR China gegenüber der DDR zu untersuchen und dabei besonders die Ursachen für die Änderungen dieser Prioritäten in den Jahren 1960 – 1962 herauszuarbeiten. Außerdem möchte dieser Beitrag fragen, welchen Einfluss diese Änderungen auf die politischen Beziehungen zwischen der DDR und der VR China ausübten?
Die folgende Darstellung besteht aus vier Teilen. Der erste Teil blickt zurück auf die Entwicklung der Außenbeziehungen zwischen der DDR und der VR China in den 1950er Jahren, um die Ausgangslage und wichtige Rahmenbedingungen für die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder vor dem Jahr 1961 zu skizzieren. Der zweite Teil stellt exemplarisch Forschungsergebnisse über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der VR China und der DDR in den fünfziger Jahren dar. Im Mittelpunkt steht dabei die Bewegung „Großer Sprung nach vorn“ und die daraus resultierenden Probleme, die Kündigung des Handelsabkommens zwischen beiden Staaten und der Besuch des Politbüromitglieds der SED Hermann Materns in Beijing im Jahr 1961. Der dritte Teil widmet sich der Umorientierung der chinesischen Außenhandelspolitik im Jahr 1962 sowie den Reaktionen der DDR auf diesen Politikwechsel. Der vierte Teil fragt nach den Gründen für die Änderung und analysiert die gegensätzlichen Erwartungen der DDR gegenüber der VR China.

1

Bereits vor den Gründungen beider kommunistischen Staaten war China für Deutschland in den 1930er Jahren ein ganz wichtiger Handelspartner. Die damalige Handelsstruktur zwischen beiden Ländern ist fast bis zum Ende der DDR gleich geblieben. Die deutsche Seite importierte hauptsächlich Nahrungsmittel und Rohstoffe aus China und exportierte vor allem „Metallwaren“, überwiegend Maschinen. Mangels ausreichender Devisenreserven, die für die Wiederaufrüstung benötigt wurden, hatte das Dritte Reich im April 1936 ein Abkommen über den Warenaustausch auf der Basis von Kompensationsgeschäften mit der Regierung des Marionettenstaats Mandschukuo geschlossen, womit sich Deutschland den Import von Sojabohnen aus Nordost-China3 sicherte. Trotz heftiger diplomatischer Proteste der damaligen chinesischen Regierung, die dieses Abkommen als eine offizielle Anerkennung Deutschlands für Mandschukuo verstand, traf die NS-Regierung diese Entscheidung, weil den Sojabohnen aus Nordost-China als Rohstoffe für die Margarine-Produktion in Deutschland eine strategische Bedeutung für die Überwindung der „Fettlücke“ zukam.
Nach ihrer Gründung hatte die VR China die wirtschaftlichen Beziehungen mit der DDR tatsächlich zu politischen Zwecken genutzt, da für die KP Chinas die ökonomische Unterstützung der DDR einen Beitrag zur europäischen sozialistischen Bewegung bedeutete. Nach Parteichef Mao Zedong war die DDR für sein Land noch wichtiger als andere europäische sozialistische Staaten im Ostblock, da beide Staaten viele gemeinsame Besonderheiten auszeichneten. So verstanden sich sowohl die VR China als auch die DDR als Teil eines gespaltenen Landes und diese Ausgangssituation brachte entsprechende Schwierigkeiten bei den Bemühungen um internationale Anerkennung mit sich. Außerdem befanden sich beide Länder geographisch an den Außenrändern ihres Blocks und konnten somit als ‚Frontstaaten‘ gelten.4 Nach Lenins Weltanschauung gab es keinen wirklich dauerhaften Frieden nach der Oktoberrevolution, weil „Imperialismus dasselbe wie Krieg“ sei. Die Frontstaaten sollten aufgrund ihrer besonderen Lage...

Inhaltsverzeichnis

  1. Cover
  2. Titelseite
  3. Impressum
  4. Inhalt
  5. Deutsche Wirtschaftsinteressen zwischen Entwicklungshilfe und Dekolonisierung: eine Einleitung
  6. Deutschland und der Weltmarkt
  7. MENA Region
  8. Die deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg
  9. Vom „Jahrhundertwerk“ zum „Politikum“
  10. Rüstungsexporte in Spannungsgebiete
  11. Handlungsstrategien deutscher Außenpolitik im Kontext des Arabischen Frühlings
  12. Afrika
  13. Hallsteins Blick nach Afrika
  14. BMW in Südafrika (1967–1985)
  15. Indien und Indonesien
  16. ‘A New Passage to India?’
  17. Von Kenntnis zur Anerkennung
  18. Postkoloniale Konkurrenz
  19. Volksrepublik China
  20. Primat des Wirtschaftsinteresses im pragmatischen Handeln
  21. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik China 1949–1978
  22. Die Wende in den Handelsbeziehungen zwischen der DDR und der VR China in den Jahren 1960–1962

Häufig gestellte Fragen

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