
- 397 Seiten
- German
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eBook - ePub
Ibn Taymiyya und die Attribute Gottes
Über dieses Buch
Diese Arbeit erschließt auf systematische Weise die methodischen Grundlagen der Attributenlehre des einflussreichen islamischen Gelehrten Ibn Taymiyya (gest. 728/1328). Dabei verarbeitet sie seine in vielen Einzeltraktaten ausgebreiteten Ansichten zu einer Gesamtschau und geht auf geistesgeschichtliche Zusammenhänge ein. Der Band leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Geschichte der islamischen Theologie.
Der Band wurde 2019 mit dem Dissertationspreis der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) sowie mit dem Classical Islamic World Book Prize ausgezeichnet.
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Information
1 Einleitung
Der überwiegend im mamlukischen Damaskus wirkende ḥanbalitische Theologe und Rechtsgelehrte Taqī ad-Dīn Abū l-ʿAbbās Aḥmad Ibn ʿAbd al-Ḥalīm Ibn Taymiyya (661–728/1263–1328) ist einer der bekanntesten und zugleich umstrittensten muslimischen Denker überhaupt. Dies war nicht immer so, vielmehr blieben seine Schriften in den Jahrhunderten nach seinem Tod weitgehend unbeachtet. Ihre Wiederentdeckung nahm im 11./17. Jahrhundert ihren Anfang und wurde von muslimischen Gelehrten verschiedenster Ausrichtung vorangetrieben.1 Das Ausmaß seiner Rezeption hat sich seitdem kontinuierlich gesteigert, sodass man von einer gefühlten Omnipräsenz Ibn Taymiyyas im jüngeren sunnitischen Denken sprechen kann. Zu Recht identifiziert ihn daher Lutz Berger in seinem Einführungswerk über die islamische Theologie als den „heute sicher einflussreichste[n] aller islamischen Theologen des Mittelalters“.2
Trotz dieses Umstands hat man sich in der europäischsprachigen Forschung noch bis vor einigen Jahren – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nicht eingehend mit dem Leben und Werk Ibn Taymiyyas beschäftigt. Zudem haben ihn die dortigen Forschungsbeiträge, wie Birgit Krawietz kritisch bemerkt, „überwiegend als Gegner religiöser Toleranz und spekulativen Denkens, Proto-Fundamentalisten bzw. den oder einen der ersten islamischen Fundamentalisten, als gewaltbereiten Aktivisten, Gegner von Volksreligion und Synkretismus, Sufi-Kritiker, radikalen Anthropomorphisten, wenn nicht gar als Streithansel jedweder Art“3 porträtiert. Obgleich in den letzten Jahren fundierte Forschungsbeiträge u. a. von Yahya Michot, Jon Hoover und Ovamir Anjum zu dezidiert gegenteiligen Einschätzungen gelangt sind,4 besteht dieses Bild hartnäckig fort. Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass Ibn Taymiyya einen Großteil seiner Schaffenskraft für einen kritischen Rundumschlag gegen das breitere islamische Denken – vor allem das rationalistisch-spekulativer sowie philosophischer Prägung – aufwendete und sich dabei nicht selten eines unverblümt polemischen Schreibstils bediente.5 Jedoch beschäftigte er sich in diesem Zuge nicht nur ausführlich mit den von ihm kritisierten Denkströmungen, sondern trat ihnen bezüglich seiner Argumentationsweisen – und dies ist für einen Ḥanbaliten alles andere als selbstverständlich – im Gewande eines spekulativen Theologen (mutakallim) oder gar Philosophen gegenüber.6 Der beachtliche Umfang und die gedankliche Tiefe seiner Kritik gehören sicherlich zu den Faktoren, die die Wirkmächtigkeit und die polarisierende Kraft, die von dieser Kritik ausgehen, erklären. So bezeichnet z. B. Wael Hallaq die von Ibn Taymiyya verfasste Schrift Radd,7 die eine Kritik an der griechischen Logik darstellt, als „one of the most devastating attacks ever levelled against the logic upheld by the early Greeks, the later commentators, and their Muslim followers“.8 Ebenso ist auch Ibn Taymiyyas Werk zur Widerlegung wesentlicher Elemente des schiitischen Denkens,9 wie Krawietz feststellt, „alles andere als simplistisch und beruht auf einer erstaunlich fundierten Bildung“.10 Alexander Knysh, der sich in einer seiner Veröffentlichungen mit dem Denken des Muḥyī d-Dīn Ibn ʿArabī11 (gest. 638/1240) und seiner Rezeption befasst, konstatiert, dass Ibn Taymiyyas Kritik an diesem Gelehrten auf einer „intimate familiarity“12 mit dessen seinsmonistischen Lehren fußt, und beschreibt sie als einen „devastating blow, which made him undoubtedly the most implacable and consequential opponent of Ibn ʿArabī and his followers“.13 In eine ähnliche Richtung weist eine Aussage Frank Griffels, der sagt: „Ibn Taymiyya was probably one of the best-informed critics of rationalism in Islam, and his opinion deserves to be taken seriously“.14 Vor diesem Hintergrund sollte sowohl für die Islamische Theologie als auch für die Islamwissenschaft, innerhalb derer sich die vorliegende Arbeit gleichermaßen verortet,15 die Erforschung von Ibn Taymiyyas Denken von hohem Wert sein. Die Relevanz der Arbeit steigert sich noch dadurch, dass Ibn Taymiyyas Attributenlehre, wie noch gezeigt werden wird, bislang keiner tiefergehenden Analyse unterzogen wurde, er sich aber in seinen Schriften meiner Einschätzung nach mit keiner anderen Thematik derart ausführlich beschäftigt. Zugleich wurden die europäischsprachigen Forschungsbeiträge zu Ibn Taymiyya überwiegend auf Englisch und Französisch verfasst,16 sodass es vor allem im Sinne der im deutschsprachigen Raum aufkommenden Islamischen Theologie sein dürfte, auf Arbeiten wie die vorliegende zugreifen zu können.17
1.1 Forschungsstand
„Muslim theories of divine attributes are often surrounded by an air of obscurity and do not enjoy great favor in Western academia“,18 konstatierte Frank Griffel erst kürzlich. Tatsächlich hat man sich, wie er damit zum Ausdruck bringen möchte, in der europäischsprachigen Forschung bislang eher selten der Thematik islamischer Attributenlehren zugewandt.19 In besonderem Maße gilt dies bezüglich der Standpunkte der Gruppe der ahl al-ḥadīṯ (Traditionalisten),20 denen auch Ibn Taymiyya angehört. Dass es sich bei der Analyse speziell seiner Attributenlehre um ein ausstehendes Desiderat der Forschung handelt, wurde in den letzten Jahren mehrfach vorgebracht. So schreibt Jon Hoover am Ende seiner Monographie zur Theodizee Ibn Taymiyyas: „[O]ther aspects of Ibn Taymiyya’s theology await more detailed exposition and analysis, especially his doctrine of God’s attributes surveyed in Chapter One“.21 Im Jahre 2012 beklagte Muhammad Gharaibeh das Fehlen einer entsprechenden Studie mit folgenden Worten: „Insbesondere der Umstand, dass Ibn Taimīya kein systematisches Werk hinterlassen hat und seine Werke einer Sammlung verschiedener fatāwā gleichen, erschwert eine systematische Erschließung der Attributenlehre Ibn Taimīyas, macht sie aber umso notwendiger“.22 Tatsächlich bespricht die europäischsprachige Forschung meiner Kenntnis nach Ibn Taymiyyas Attributenlehre nur überblicksartig oder aber fokussiert nur manche ihrer Teilaspekte. Im Folgenden soll die Literatur, die dem Thema mehr als nur Randbemerkungen widmet, angeführt und – soweit nötig – diskutiert werden. Wichtige Sekundärliteratur, die sich auf bestimmte Einzelfragen bezüglich der Methodik Ibn Taymiyyas und seiner Attributenlehre beschränkt, wird hingegen in den jeweiligen Kapiteln der vorliegenden Arbeit behandelt, innerhalb derer sie relevant ist. Selbiges gilt für die herangezogenen Beiträge aus der fast unüberschaubaren arabischen Sekundärliteratur.
Henri Laoust ist meiner Kenntnis nach der erste, der einen Überblick über die Attributenlehre Ibn Taymiyyas in einer europäischen Sprache gegeben hat.23 Zwar ist er in seinem etwa 750 Seiten umfassenden Werk an den sozio-politischen Ansichten Ibn Taymiyyas interessiert, behandelt aber doch auf immerhin 18 Seiten die hier relevante Thematik. Seiner Meinung nach gehört Ibn Taymiyya weder zu den Anthropomorphisten (mušabbiha) noch zu den sogenannten Leugnern (nufāh), die die Realität der Attribute Gottes verneinen; vielmehr versucht er, einen Mittelweg zwischen diesen beiden Extremen zu beschreiten.24 Damit grenzt sich Laoust von Ignaz G...
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Titelseite
- Impressum
- Danksagung
- Inhalt
- 1 Einleitung
- Teil I Ibn Taymiyyas Leben und die ihm vorausgehende Ideengeschichte bezüglich der Attribute Gottes
- Teil II Die methodischen Grundlagen der Attributenlehre Ibn Taymiyyas
- Teil III Gottes Wesen und Seine Attribute im Fokus
- Bibliographie
- Personen- und Sachregister
- Koranstellenregister