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Warum die Volkswirtschaftslehre ihr intellektuelles Ghetto verlassen muss

  1. 15 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Warum die Volkswirtschaftslehre ihr intellektuelles Ghetto verlassen muss

Über dieses Buch

Gustav Theile über den dringend notwendigen Wandel hin zu Pluralismus in den Wirtschaftswissenschaften. Denn erst wenn verschiedene Perspektiven betrachtet werden, können sich Wirtschaftsstudierende mit den Fragen beschäftigen, mit denen sie ins Studium gekommen sind. Und stoßen dabei auf verschiedene Antworten, die zusammen genommen mehr erklären als eine alleine.

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Gustav Theile
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Warum die Volkswirtschaftslehre ihr intellektuelles Ghetto verlassen muss
Jedes Jahr wieder strömen Tausende Studierende an die Wirtschaftsfakultäten und wollen unsere Wirtschaft verstehen. Sie haben die Wirtschaftsnachrichten verfolgt und sich gedacht: »Das ist wichtig für mich, das ist wichtig für unsere Gesellschaft.«
In den Artikeln ging es um Zentralbanken, Wirtschaftsministerien, Wirtschaftswachstum, Bruttoinlandsprodukt, Außenhandelsbilanzen, Finanzmärkte und die Chefetagen von Unternehmen. Die Zeitungen berichteten von scheinbar unlösbaren Krisen, Arbeitslosigkeit, prekärer Beschäftigung, steigender Ungleichheit und Zwangsräumungen. Millionenfaches Leid durch Hunger und fehlenden Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten stehen zwar oft auf anderen Seiten als die Berichte über wachsende Vermögen und Konzernprofite, vervollständigen jedoch das Bild. Dramatik und Komplexität der Berichterstattung werden durch rasant wachsende CO2-Emissionen, ein sich beschleunigendes Artensterben und Wüstenbildung verschärft.
Neustudierende verstehen, dass alle diese Probleme mit Wirtschaft zu tun haben. Sie wollen lernen, wie das alles zusammenhängt und welche Erklärungsansätze es dafür gibt. Vielleicht sogar, wie das zu bewerten ist und wie sie es verändern können.
Egal an welcher deutschen Wirtschaftsfakultät sie dann landen, überall wartet derselbe Kanon auf sie. In den ersten beiden Semestern geht es um Mikro- und Makroökonomik. Im dritten Semester folgen Vorlesungen zu Wirtschaftspolitik und Außenhandel. Danach dann drei Semester Vertiefung zu Finanzmarkt, Wirtschaftspolitik, Außenhandel oder Ökonometrie. Gegenstand fast aller dieser Veranstaltungen ist ein bestimmter Kanon abstrakter mathematischer Modellwelten.
Wenn Tausende Absolventen die Wirtschaftsfakultäten dieses Landes dann verlassen, wird ihnen bescheinigt, die Wirtschaft oder Wirtschaftswissenschaft studiert zu haben. Aber kennen sie sich wirklich mit der Wirtschaft aus, nachdem sie ihre Intuition in Modellwelten trainiert haben? Denn das Problem ist: Sie haben in all diesen Veranstaltungen nur eine Perspektive auf Wirtschaft kennengelernt.
Getrennt von der Welt
Dieser Kanon ergibt sich durch eine bestimmte Art ökonomischer Lehrbücher, die in millionenfacher Auflage bestimmen, was Studierende lernen. Das erste, von Paul Samuelson, erschien 1947 in den Vereinigten Staaten. Zusammen mit Hal Varian und Gregory Mankiw führt es bis heute die Bestsellerlisten an. Wirtschaft wird in diesen Lehrbüchern nahe am Ideal der Naturwissenschaft vermittelt. Das Selbstverständnis des hier propagierten Forschers ist stark positivistisch geprägt und distanziert. Er nimmt sich als getrennt von der Welt wahr. In der Einleitung zu Mankiws Lehrbuch werden Studierende aufgefordert, ihre Intuitionen und Erfahrungen, ja das eigene Denken beiseitezulegen. Dafür verspricht Mankiw: »… wenn du die Konzepte gemeistert hast, durchschreitest du ein Portal und bist fähig, zu denken wie ein Ökonom. Sobald du die Konzepte gemeistert hast, wirst du nie wieder denken wie zuvor und nie wieder auf eine Sache auf dieselbe Weise blicken.«
Der Ökonom betrachtet die Welt also durch eine ganz bestimmte Brille, auf die er traditionell recht stolz ist. Edward Lazear, immerhin Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates der US-Regierung von 2006 bis 2009, beispielsweise zieht das Verdrängen von anderen Brillen beziehungsweise methodischen Zugängen geradezu als wissenschaftliches Erfolgskriterium.
Oft wird behauptet, es ginge dabei nur um eine Beschreibung von Wirklichkeit. Mit jeder Art von Sehen geht jedoch ein Nichtsehen einher. Durch das Richten unseres Blicks auf etwas (positiver Inhalt) sehen wir von etwas anderem ab (negativer Inhalt). Im besten Fall sieht man dadurch einen Teil der Wahrheit. Kennt man jedoch nur eine Perspektive, setzt man sein Wissen schnell absolut, zumal, wenn einem nicht einmal bewusst ist, dass es noch andere Sichtweisen gibt. Selten wird diese immanente Perspektivität jedoch reflektiert. Im Gegenteil, zunehmend fallen andere Perspektiven weg. Es fehlen die Korrektive, die es erlauben würden, die eigene Art des Sehens einzuordnen. Eine eigene Vorlesung zur Wissenschaftstheorie, in der verschiedene Arten von Wissenschaft miteinander verglichen werden, sucht man meist vergeblich. Auch andere Arten, auf Wirtschaft zu schauen, können helfen, die Fähigkeiten der eigenen Perspektive besser zu beurteilen und ein zu großes Vertrauen zu vermeiden. Vielfalt ist aber nicht nur eine Frage von Reflexivität oder etwa nur für relativistische Theorien relevant. Auch stärker an der Naturwissenschaft ausgerichtete Wissenschaftstheoretiker, wie etwa Karl Popper, haben stets betont, dass der Wettbewerb zwischen verschiedenen Ansätzen für wissenschaftlichen Fortschritt essenziell ist. Der Wettbewerb zwischen verschiedenen Paradigmen erscheint dabei besonders entscheidend. Denn wenn Forscher die Arbeit ihrer Kollegen nur innerhalb der Logik des vorherrschenden Paradigmas kritisieren, wird diese Logik nicht auf die Probe gestellt und bleibt damit von Kritik ausgenommen.
Mit dem distanzierten Blick geht einher, dass »der Ökonom« sich selten als Sozialwissenschaftler versteht. In der Konsequenz verkennt die VWL ihre eigene gesellschaftliche Verortung. So ist es mittlerweile üblich, Wirtschaftslehre ahistorisch zu vermitteln. Eine vernünftige dogmenhistorische Einordnung ist selten geworden, und wenn, dann fakultativ. Worauf wir unseren Blick richten, welche Methoden wir dafür verwenden und zu welchen Ergebnissen wir gelangen, ist jedoch entscheidend dadurch geprägt, in welchem soziokulturellen Kontext wir uns bewegen. Dass eine wissenschaftliche Denkschule in der Tradition liberaler Philosophen wie John Stuart Mill oder Adam Smith dazu neigt, sich vor allem mit dem Handeln von Individuen zu beschäftigen, ist nicht per se problematisch, sollte aber reflektiert und von den Studenten eingeordnet werden können. Das Gleiche gilt für das Wirken der VWL in die Gesellschaft hinein. Wenn ökonomisches Wissen die analytische Grundlage von Entscheidungen ist, formt ein abstraktes Denken unser Handeln. Ein gut erforschtes Beispiel für diesen »performativen« Charakter der Wirtschaftswissenschaft ...

Inhaltsverzeichnis

  1. Cover
  2. Verlag
  3. Gustav Theile
  4. Über die Autoren
  5. Impressum