
- 40 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub
Die Mauer
Über dieses Buch
Erstübersetzung
Die Mauer ist der literarische Bericht über den Ausbruch einer Seuche, deren Aussätzige nicht gerettet werden. Diese ewig gültige Parabel über das Ausgestoßensein hat heute mehr Gültigkeit denn je.
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Information
I
Der andere Aussätzige und ich, wir krochen vorsichtig bis an die Mauer und hoben die Augen auf zu ihr. Von hier aus sah man nicht ihren oberen Rand; sie ragte empor, glatt und gerade, und schien den Himmel in zwei Hälften zu teilen. Unsere Hälfte des Himmels war von einem schwärzlichen Braun, das sich zum Horizont hin nachtblau verfärbte, so dass es unmöglich war zu erkennen, wo die schwarze Erde endete und wo der Himmel begann. Erdrückt von Erde und Himmel keuchte die schwarze Nacht, stieß dumpf ein tiefes Stöhnen aus und spie bei jedem Seufzer aus der Tiefe ihrer Eingeweide einen stechenden, glühenden Sand, der schmerzhaft in unseren Wunden brannte.
»Versuchen wir, hinaufzuklettern« sagte der Aussätzige zu mir, und seine Stimme war so näselnd und übelriechend wie meine.
Er wandte mir den Rücken zu, und ich hievte mich hinauf, jedoch die Mauer war gleichwohl zu hoch. Sie teilte die Erde wie den Himmel entzwei und entrollte sich gleich einer fetten satten Schlange, in einen Abgrund stürzend und Gebirge erklimmend, doch ihr Kopf und ihr Schwanz verschwanden hinter dem Horizont.
»Also gut, reißen wir sie ein!« schlug der Aussätzige vor.
»Einverstanden!« stimmte ich zu.
Wir rammten unsere Brustkörbe gegen die Mauer, sie verfärbte sich vom Blut unserer Wunden, doch sie verharrte weiterhin genauso taub, genauso unbeweglich. Und wir versanken in Verzweiflung.
»Tötet uns! Tötet uns« ächzten wir davonkriechend, doch voll Ekel wandten sich alle Gesichter von uns ab, und wir erblickten nur noch Rücken, die von tiefem Widerwillen erschauerten.
Also krochen wir bis zu dem Hungrigen. Er saß an einen Felsen gelehnt, man hatte den Eindruck, dass selbst den Granit die Berührung seiner spitz hervortretenden Schulterblätter peinigte. Er hatte keinerlei Fleisch mehr, seine Knochen klapperten bei jeder Regung, und seine trockene Haut raschelte. Sein Unterkiefer baumelte herab, und aus der schwarzen Höhlung seines Mundes drang eine trockene und abgehackte Stimme:
»Ich habe Hunger.«
Wir brachen in Gelächter aus und krochen weiter, bis wir auf vier Gestalten stießen, die tanzten. Sie näherten sich, entfernten sich, umschlangen sich und drehten sich im Kreise, und ihre Gesichter waren bleich, verstört und schroff. Einer von ihnen begann zu weinen, weil er müde war von diesem endlosen Tanz, er bat darum anzuhalten, doch ein anderer umschlang ihn stumm und drehte ihn im Kreise, da begann er von Neuem, sich den anderen zu nähern und von ihnen zu entfernen, während ihm bei jedem Schritt eine trübe Träne aus dem Auge rann.
»Ich möchte tanzen!« näselte mein Gefährte, doch ich zerrte ihn weiter.
Von Neuem ragte die Mauer vor uns auf, seitwärts kauerten zwei Individuen. Der eine von ihnen schlug mit der Stirn in regelmäßigen Abständen gegen die Mauer und fiel bewusstlos um, der andere sah ihm mit ernster Miene zu, betastete ihm den Kopf, betastete dann die Mauer, und als der andere wieder zu sich kam, sagte er zu ihm:
»Noch mal, es muss sein! Viel fehlt nicht mehr.«
Der Aussätzige brach in Gelächter aus.
»Das sind Schwachköpfe!« sagte er und blies dabei die Backen fröhlich auf. »Schwachköpfe. Sie glauben, dass es drüben hell ist. Dabei ist es genauso dunkel, und auch dort gibt es Aussätzige, die kriechen und flehen, dass man sie töte.«
»Und der Alte?« fragte ich.
»Was, der Alte?« begehrte der Aussätzige auf. »Der Alte ist töricht, blind und hört nichts. Wer hat es denn gesehen, das Loch, das er durch die Mauer grub? Du? Ich?«
Ich wurde böse, ich schlug wütend auf die eitrigen Blasen auf seinem Kopf und schrie:
»Warum hast du dann versucht zu klettern?«
Er begann zu weinen, wir begannen beide zu weinen, und wi...
Inhaltsverzeichnis
- Leonid Andrejew: Die Mauer
- Leopold von Verschuer: Auf Andrejews Mauer zu
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