Teil I
Die Kunst des Erzählens
In diesem Teil . . .
Auf den folgenden Seiten erfahren Sie, wie Sie gutes Material auswählen, Ihre Rede richtig aufbauen und schließlich Ihre Argumente mit Zahlen, Fakten und Vergleichen verständlich untermauern. Nicht zuletzt werde ich Ihnen zeigen, wie Sie Ihr Publikum mit ganzem Körpereinsatz mitreißen.
1
Die Rede gestalten
In diesem Kapitel
Das Material für die Rede auswählen
Sich für das beste Gestaltungsmuster entscheiden
Eine Gliederung anfertigen, die Ihren Zielen gerecht wird
Dieses Kapitel beschäftigt sich eingehend damit, wie man eine Rede gestaltet. Es geht unter anderem darum, wie Sie entscheiden, was Sie Ihren Zuhörern sagen, wie Sie das gliedern, was Sie Ihren Zuhörern sagen, und wie viel Sie Ihren Zuhörern sagen.
Das richtige Material wählen
Bevor Sie sich an die Gestaltung einer Rede machen können, müssen Sie zunächst entscheiden, welches Material Sie in der Rede verwenden wollen.
Die eigentliche Aufgabe besteht jedoch darin zu entscheiden, was Sie
nicht verwenden wollen. Denn für jedes nur erdenkliche Thema findet sich immer weit mehr Material, als Sie in Ihrer Rede unterbringen können. Darüber hinaus sind Ihre Zuhörer nicht unbegrenzt aufnahmefähig.
Gestaltungsmuster
Muster spielen eine wichtige Rolle bei der Zuweisung von Bedeutungen und der Interpretation von Botschaften. Menschen haben die Neigung, alles, was sie wahrnehmen, Mustern zuzuordnen. Von der Ausprägung dieser Muster hängt zu einem großen Teil ab, wie wir mit anderen Menschen kommunizieren. Also spielen die Muster Ihrer Rede eine wichtige Rolle im Hinblick darauf, wie Ihr Publikum Ihre Worte versteht.
Damit das Gestaltungsmuster Ihre Rede
möglichst gut unterstützt, sollten Sie sich an die folgenden zwei Regeln halten:
Das Muster deutlich machen. Denken Sie daran, wenn Sie Ihre Rede
zusammenbauen: Sie wollen, dass alle Zuhörer in Ihrer Rede ein Muster erkennen. Sie wollen sicher sein, dass Ihr Redemuster für jeden Ihrer Zuhörer sichtbar ist – ohne große Anstrengung. Und dabei können Sie eigentlich nie zu weit gehen.
Ein geeignetes Muster wählen. Bei der Wahl eines Gestaltungsmusters
müssen Sie Ihr Thema und Ihre Zuhörer berücksichtigen. Mit welchem Muster bringen Sie Ihre Botschaft am besten rüber? Wenn Sie beispielsweise über die Geschichte einer Auseinandersetzung über Flächennutzungspläne in Ihrer Region reden, bietet sich eine chronologische Anordnung eher an als der Ansatz »Theorie/Praxis«.
Häufig verwendete Gestaltungsmuster
Obwohl es zahlreiche Gestaltungsmuster gibt, werden einige davon immer und immer wieder genutzt. Die folgenden gehören zu den am häufigsten in Reden verwendeten Gestaltungsmustern:
Problem/Lösung: Umreißen Sie ein Problem und bieten Sie eine Lösung an. Wenn Sie zum Beispiel in einer Rede vor Vertretern der Schulbehörde die schlechten baulichen Zustände der Schulen kritisieren, können Sie anschließend über Möglichkeiten sprechen, die Schulen finanziell besser zu fördern. Was Sie besonders herausstellen, hängt davon ab, was Ihre Zuhörer bereits wissen. Müssen Sie sie erst auf ein Problem aufmerksam machen? Gibt es konkurrierende Lösungsmodelle?
Chronologisch: Wenn Sie über eine Reihe von Ereignissen (etwa eine Serie von Unfällen an einer Ecke, an der Sie ein Stoppschild für angebracht halten) reden wollen, können Ihre Zuhörer Ihnen leichter folgen, wenn Sie Ihre Rede chronologisch strukturieren (Vergangenheit/Gegenwart/Zukunft).
Orte: Diese Struktur bietet sich an, wenn Sie über Dinge reden, die
verschiedenen Orten zugeordnet sind. Haben Sie beispielsweise vor, mit Ihrer Rede neuen Angestellten eine erste Orientierung im Unternehmen zu ermöglichen, können Sie Ihre Rede nach Etagen (erster Stock, zweiter Stock, dritter Stock), Gebäuden (Gebäude A, B und C) oder anderen Einheiten (Abteilung Europa, Abteilung Nordamerika, Abteilung Asien) gliedern.
Weitergeführte Metapher oder Analogie: Dieses Muster macht sich einen Vergleich zweier Aspekte für die Gestaltung der gesamten Rede zunutze. Man findet es oft in Reden von Lehrern oder Ausbildern. »Eine Rede zu halten ist mit fliegen vergleichbar. Es gibt Start, Landung, Flug, Passagiere und Kontrollturm. Der Start entspricht der Einführung ...«