Experimente rund um die Kunststoffe des Alltags
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Experimente rund um die Kunststoffe des Alltags

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Über dieses Buch

Experimente rund um die Kunststoffe des Alltags

Joghurtbecher, Frischhaltefolien, Plastikbeutel, Parkbänke, Wärmedämmungs- und Verpackungsmaterialien und, und, und... ohne Kunststoffe geht es in unserem Alltag nicht! Georg Schwedt, erfolgreicher Sach- und Lehrbuchautor, präsentiert ein neues und in seiner Thematik einzigartiges Experimente-Buch.

Seit mehreren Jahrzehnten wirbt Georg Schwedt für die Chemie. Den Aufbau und Betrieb mehrerer Mitmachlabors hat er maßgeblich initiiert und mitgestaltet – die daraus gewonnene Erfahrung fließt auch in die Gestaltung jedes der mehr als 70 Experimente ein. Wie in seinen anderen Experimentierbüchern sind die Materialien – die Palette reicht von Biopolymeren bis zu vollsynthetischen Kunststoffen – problemlos zu besorgen und die Untersuchungen sind ungefährlich und einfach nachzuvollziehen.

Wie kann man das Material eines Joghurtbechers von dem eines Zahnputzbechers unterscheiden? Was kann man mit dem Superabsorber einer Babywindel so alles Sinnvolles anstellen? Nach der Lektüre dieses Buches wissen Sie mehr! Und den Spaß beim lehrreichen Experimentieren gibt es kostenlos dazu!

Ein Buch für Lehrer und Schüler der Mittel- und Oberstufe, Dozenten, Studenten und überhaupt für Alle an Chemie Interessierte.

Häufig gestellte Fragen

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Information

1

Einführung

1.1 Ausgewählte Daten aus der Geschichte der Kunststoffe

1530 Galalith („Kunsthorn“ aus Casein) – Benediktinerpater Wolfgang Seidel (14921562), nach einem Rezept des Schweizer Handelsherren Bartholomäus Schobinger (15001585)
1770 Radiergummi aus Naturkautschuk von Joseph Priestley (17331804) bekannt gemacht
1833 Begriff Polymerie – J. J. Berzelius (17791848)
1841 Heißvulkanisation des Kautschuks mit Schwefel Charles Goodyear (18001860)
1865 Herstellung von Celluloseacetat – Paul Schützenberger
1868 Celluloid – Gebrüder John Wesley Hyatt (1837-1920), in Amerika als Vater der „Plastikindustrie“ bezeichnet, und Isaiah Hyatt
1882 Viskose aus Cellulosexanthogenat (Kunstseide)
1904 Produktion von Casein-Kunststoff in Hamburg-Harburg
1907 Bakelit – Leo Hendrik Baekeland (18631944)
1908 Cellophan – Jacques E. Brandenberger (18721954)
1909 Cellon (Celluloseacetat) Ernst Arthur Eichengrün (18671949)
1912 Polyvinylchlorid (PVC) Fritz Klatte (18801934)
1922 Begriff Makromolekül – Hermann Staudinger (18811965)
1930 Nylon – W. H. Carothers (18961937)
1932 Plexiglas (Polymethylmethacrylat) Röhm & Haas
Hochdruckpolymerisation von Ethylen in England
1937 Polyurethan – Otto Bayer (19021982)
1938 Perlon (aus Caprolactam) Paul Schlack (18971987)
1941 Polyurethanschaum – August Hoechtlen und Walter Droste, I.G. Farben, Leverkusen
1946 Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymere (ABS) US Rubber Company
1949 Aufschäumen von Polystyrol (Styropor) Fritz Stastny (19081985)
1952 Niederdruck-Polyethylen – Karl Ziegler (18981973)
Polycarbonat – Hermann Schnell (19161999); Makrolon/Bayer AG
1976 Polymerblend aus Polycarbonat und ABS (Acryl-Butadien-Styrol) Bayer AG
1983 Verbrauch von Kunststoffen übertrifft volumenmäßig (125 Mio m3) die Stahlproduktion
(Nach: „Zeittafel zur Geschichte der Kunststoffe“ des Deutschen Kunststoff Museums: www.deutsches-kunststoff-museum.de). Weitere Daten auch in B. Tieke, s. Literaturverzeichnis).

Exkurs
Kunststoffgeschichte im Museum für Stadt- und Industriemuseum in Troisdorf
Troisdorf liegt rechtsrheinisch zwischen Bonn und Köln. Ihren Aufschwung erlebte die heutige Stadt mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert – 1815 mit dem Betrieb einer Alaunhütte in Spich und 1825 mit dem Bau der Friedrich-Wilhelms-Hütte (später Mannstaedt-Werke), einer Eisenhütte, an der Agger. 1887 folgte der Bau einer Zündhütchen- und Sprengkapselfabrik (Rheinisch-Westfälische Sprengstoff AG, RWS), der späteren Dynamit Nobel, und damit begann auch die Produktion von Kunststoffen.
An der Burg Wissem in Troisdorf, bekannt durch sein Kinderbuchmuseum, entstand mit dem Museum für Stadt- und Industriegeschichte – kurz MUSIT genannt – ein weiteres interessantes und nach neuesten Gesichtspunkten der Museumstechnologien und -pädagogik gestaltetes Museum. In ihm werden zahlreiche Exponate aus der Sammlung des Kunststoff-Museums Troisdorf informativ präsentiert. Auf der Webseite www.kunststoff-museum.de führen Links u. a. zu ausführlichen Informationen zur Entstehung des Museums, zur Sammlung und zur Geschichte der Kunststoffherstellung in Troisdorf, die am 4. März 1905 mit der Produktion von Celluloid begann. Die bereits genannte Vorgängerin der späteren Dynamit Nobel AG ließ zur gleichmäßigen Auslastung ihrer Anlagen zwei Zentrifugen nur für schwach nitrierte Celluloid-Kollodiumwolle laufen und stellte daraus Celluloid-Halbzeuge wie Platten, Folien und Rohre für die Produktion von Kämmen, Toilettenartikeln, Spielwaren, Puppen und später auch für technische Artikel wie Rechenschieber her. Alle diese Produkte als Anwendungsbeispiele können im MUSIT besichtigt werden.
Die Ausstellung insgesamt ist chronologisch aufgebaut. Sie beginnt um 1800 und endet mit Ideen zu einer „Stadt der Zukunft“. Sie wendet sich sowohl an Kinder und Jugendliche – mit Textinformationen, umfangreichem Bildmaterial, zahlreichen Exponaten und mit Hörstationen sowie interaktiven Stationen – als auch an Fachbesucher durch sogenannte „Vertiefungsebenen“ zu ausgewählten Ausstellungthemen wie dem Schwerpunkt Kunststoffe.
Wer dieses Museum besichtigt hat, wird der Aussage des Museumsflyers zustimmen. Sie lautet:
„Einzigartig ist dabei die umfassende Darstellung der Entwicklung der Kunststoffindustrie, die 1905 in Troisdorf ihre Geburtsstunde erlebte. Zahlreiche Neuentwicklungen gingen von hier aus in alle Welt. Aufgrund der vorhandenen umfangreichen Sammlung lässt sich die Entwicklung dieses Industriezweiges von den Anfängen bis heute nachvollziehen. Die Besucher erleben hier, welche neuen Möglichkeiten der Werkstoff »Kunststoff« im Laufe der Geschichte eröffnete und wie sehr er den heutigen Alltag bestimmt.“
An die Celluloidproduktion anschließend wurde in den Troisdorfer Laboratorien ab 1911 Celluloseacetat hergestellt und 1921 erstmalig die Spritzgussverarbeitung für Celluloseester-Kunststoffe (Cellon) industriell angewandt. 1909 erhielt Ernst Arthur Eichengrün (1867–1949; 1896–1908 bei der Bayer AG) das Patent auf Cellon (Celluloseacetat, gewonnen durch Direktacetylierung von Cellulose mittels Essigsäureanhydrid). Eichengrün gründete ein Cellon-Werk in Berlin. 1911 erwarben die Rheinisch-Westfälischen Sprengstoffwerke eine Fertigungslizenz.
Mit Trolit F auf der Basis von Nitrocellulose-Typen fertigte man hartgummiähnliche Produkte für die Elektro- und Radioindustrie, von denen in der Ausstellung auch Exponate zu sehen sind. 1924 gelangten Phenolharze unter den Namen Trolon (Phenol-Formaldehyd-Gießharz) nach Auslaufen der Baekeland-Patente als Edelkunstharz auf den Markt – als Phenolharzpressmassen und-schichtstoffe Trolitan bzw. Trolonit genannt. 1922 wurde in Troisdorf ein Trolit-Presswerk errichtet und 1924 eine Knopffabrik mit Trolit und Trolon als Kunststoffrohstoffe aufgebaut. Auch solche Exponate sind im MUSIT ausgestellt. In den 1920er Jahren waren Phenol, Formaldehyd, Melamin und Harnstoff die wichtigsten Rohstoffe für die Produktion in Troisdorf. Mit dem Auslaufen der Baekeland-Patente begann ab 1931 die Herstellung von Harnstoff-Formaldehyd-Harzen unter dem Namen Pollopas (Erfinder Dr. Pollak; s. www.kunststoff-museum.de, Sammlung, „Eine kurze Geschichte der Kunststoffe und die Rolle Troisdorfs“) sowie des Melamin-Formaldehyd-Harzes Ultrapas. Als Produkte (Harz 1938, papiergebundener dekorativer Schichtstoff ab 1954) werden u. a. Salatbestecke und Seifendosen, ein Telefon, Radiogehäuse, Lichtschalter und Steckdosen gezeigt.
Als Trolitul wurde ein Polystyrol- und als Trolit ein Acetylcellulose-Produkt bezeichnet. Unter dem Markennamen Trolitax kam ab 1935 ein Phenolharz-gebundenes Hartpapier mit und ohne Kupferfolien auf den Markt. Ab 1973 wurden Epoxidharz-gebundene Glasgewebeverbund-Materialien (EPG), ebenfalls mit und ohne Kupferfolien, produziert. Lignofol nannte man Phenolharz-imprägnierte und gehärtete Kunsthölzer (ab 1931, auch in der Ausstellung zu sehen).
Bereits 1928 gelangten die Hamburger Dynamit AG und die Troisdorfer Rheinisch-Westfälische Sprengstoff AG als Dynamit AG, Troisdorf unter das Dach der I.G. Farben. Die Firma Dynamit Nobel AG hatte im I.G. Farben-Verbund die Aufgabe, Kunststoffrohstoffe (u. a. der Firmen Bayer, BASF, Hoechst) mit geeigneten Rezepturen zur Verarbeitung mit Kunststoff-Verarbeitungsmaschinen (Kalandern, Pressen, Extrudern, Spritzgießmaschinen – s. Abschn. 4.2) weiterzuentwickeln. Damit wurde Troisdorf zum weltweiten Zentrum der Kunststoffverarbeitung.
Ab 1936 kamen erste PVC-Produkte auf den Markt: Mipolam-Bodenbeläge und Strangpressmassen für Kabelummantelungen, Astralon-Tafeln, -Platten und -Folien. In der Ausstellung werden diese Materialien u. a. als Schichtmaterialien für gravierte Schilder und Rechenschieber gezeigt. Als Polyvinylchlorid-Misch-polymerisate wurden hochtransparente und eingefärbte Astralon-Folien hergestellt. Polystyrol wurde unter dem Markennamen Trolitul zu hochtransparenten Spritzgussartikeln wie Haushaltsgeräten verarbeitet. Polyisobutylen und Polyethylen wurden unter den Namen Dynagen und Dynalen u. a. als Folien produziert. 1933 wurde eine kontinuierlich arbeitende Anlage zur Herstellung von Vulkanfiber (Verbundmaterial auf der Basis von Zellstoff ) in Betrieb genommen – ein Vulkanfiber-Koffer ist ausgestellt. Als Troporit wird ein Phenolharzschaum bezeichnet, die als Blumensteckmasse heute ebenso bekannt ist wie die Mipolam-Bodenbeläge.
Die Geschichte der Kunststoffindustrie in Troisdorf bis zum Zweiten Weltkrieg ist zusammenfassend auf der Website wie folgt dargestellt; der Text spiegelt den im Museum auf eine sehr gelungene Weise durch Exponate dargestellten Überblick über mehr als 100 Jahre wider:
„Die erste industrielle Kunststoffproduktion von Celluloid (…) ab 1905, dann die Erzeugung von Phenol-Formaldehyd-Pressmassen ab den Zwanziger Jahren (erster vollsynthetischer Duroplast-Kunststoff) und solchem mit Harnstoff und Melamin, die Herstellung von Kunststoffhalbzeugen wie Tafeln, Folien, Platten, Rohren, Stäben, Filamenten und Formteilen etc. aus diesen Materialien und die Herstellung und Verwendung voll- synthetischer Thermoplast-Kunststoff-Massen und Formteile wie Polystyrol PS, Polyvinylchlorid PVC, Polyisobutylen PIB und Polyethylen PE. Die Kunststoff-Verarbeitungstechniken wie Strangpressen (Extrudieren), Spritzgießen, Kalandrieren, Kleben, Schweißen, Umformen etc. wurden in Troisdorf erfolgreich entwickelt. Diese Entwicklung brachte der Dynamit Nobel AG den Ruf der weltführenden Kunststoffverarbeitungsfirma und der Stadt Troisdorf das Attribut der Industriestadt ein. Die Dynamit Nobel G beschäftigte in Troisdorf 1939 etwa 9000 Mitarbeiter. (…)
(Quellen: Matthias Dederichs „100 Jahre Kunststoffe aus Troisdorf“ in Troisdorfer Jahreshefte 2004 und „Hundert Jahre Dynamit Nobel AG“, Werkzeitschrift 1965, Bearbeitet Dr. Volker Hofmann, August 2007)“
Im Troisdorfer MUSIT kann der Besucher diese Entwicklungen anhand zahlreicher Exponate und anschaulicher Informationen nachvollziehen und wird je nach Alter auch einige oder viele der ausgestellten Exponate als Gebrauchsgegenstände seines Alltags – gestern und heute – wiedererkennen.

1.2 Zur Systematik der Kunststoffe, deren Strukturen sowie Eigenschaften

Als Kunststoff (in der Umgangssprache Plastik, Plaste) wird ein Feststoff, ein Polymer bezeichnet, dessen Grundkörper synthetisch oder auch halbsynthetisch aus monomeren organischen Molekülen aufgebaut ist.
Die wichtigsten Gruppen der Kunststoffe werden im Folgenden kurz charakterisiert.
Abb. 1.1 Formeln der wichtigsten thermoplastischen Kunststoffe. [Aus: B. Tieke, Makromolekulare Chemie, Tab. 2a, S. 15.]
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Thermoplaste Sie sind aus langen linearen Molekülen aufgebaut und nicht oder nur wenig vernetzt. Durch Energiezufuhr in Form von Wärme werden sie weich und verformbar und schmelzen schließlich. So lassen sie sich formen und behalten nach dem Abkühlen auch die vorgegebene Form. Der Prozess ist somit reversibel – erklärbar durch die Struktur der fadenförmigen, linearen Moleküle. Die meisten heute im Alltag verwendeten Kunststoffe zählen zu den Thermoplasten: Polyethylen, Polypropylen, Polystyrol, Polyester.
Abb. 1.2 Formeln elastomerer Kunststoffe. [Aus: B. Tieke, Makromolekulare Chemie, Tab. 2b, S. 16.]
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Duroplaste Sie werden in einem Härtungsprozess aus einer Schmelze (oder auch Lösung) der Ausgangskomponenten durch eine Vernetzungsreaktion gewonnen. Es handelt sich um eine irreversible Reaktion, die durch Erhitzen oder auch durch ein...

Inhaltsverzeichnis

  1. Cover page
  2. Contents
  3. Series
  4. Title page
  5. Author
  6. Copyright page
  7. Vorwort
  8. 1 Einführung
  9. 2 Allgemeine physikalisch-chemische Eigenschaften
  10. 3 Experimente mit speziellen Biokunststoffen
  11. 4 Experimente mit vollsynthetischen Kunststoffen
  12. 5 Experimente mit speziellen Kunststoff-Produkten
  13. Literatur
  14. Index