
- 183 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub
Über dieses Buch
Der Band enthält als Erstveröffentlichung den Briefwechsel zwischen Richard Strauss und dem Verlag C. F. Peters, betreffend op. 57, weiters drei Studien amerikanischer und australischer Universitätsprofessoren zum Verhältnis Richard Strauss' als dramatischer Symphoniker bzw. symphonischer Dramatiker sowie Strauss' Leitmotivpraxis 1893-1901. Joseph E. Jones beschäftigt sich mit den Orchesterskizzen zu Der Rosenkavalier und Arabella. Oswald Panagl steuert Paralipomena zur Liedergruppe op. 67 bei, Günter Brosche besprocht "Nicht ausgeführte Opernpläne" in Zusammenhang mit dem Feindbild Hans Pfitzner und zuletzt schildert Günther Lesnig die Entstehung seiner fundamentalen Publikation in zwei Bänden "Die Aufführungen der Opern von Richard Strauss im 20. Jahrhundert".
375,005 Studierende vertrauen auf uns
Zugang zu über 1 Million Titeln zu einem fairen monatlichen Preis.
Mit unseren Lerntools kannst du noch effizienter lernen.
Information
Thema
MusicACHIM HOFER
(Landau / Pfalz)
„SIE HALTEN DEN NAMEN DES AUTORS WOHL FÜR EINEN SCHÖNHEITSFEHLER“ (STRAUSS)
Die Korrespondenz zwischen Richard Strauss und dem Verlag C. F. Peters betreffend op. 57
Einleitung1
Unter Richard Strauss’ Werken nehmen die beiden Märsche op. 57 (TrV 221) insoweit eine Sonderstellung ein, als sie durch die vom Komponisten vergebene Opus-Nummer eine Aufwertung erfahren haben, die der Musikwissenschaft bisweilen unverständlich erscheint.2 Unabhängig davon, welche musikalische Qualität ihnen tatsächlich zugrunde liegt, erhellt die hier publizierte Korrespondenz3 manche Facette nicht nur rund um das Werk selbst, sondern beleuchtet auch die Beziehung zwischen Komponist und Verlag sowie die Persönlichkeit des Komponisten.
Während es in der Korrespondenz zwischen Richard Strauss und dem Verlag C. F. Peters bzw. mit dessen Eigentümer Henri Hinrichsen4 bis zum Oktober 1905 vor allem um die Publikation der Berlioz’schen Instrumentationslehre5 ging, folgte – soweit im Staatsarchiv Leipzig überliefert6 – nach einer einjährigen Pause7 ein Briefwechsel im Zusammenhang mit op. 57. Mit Schreiben vom 4. November 1906 geht Strauss sogleich in medias res („Ich habe zwei preußische Militärmärsche für Orchester geschrieben [...]“). Der Schriftverkehr zu diesen beiden Märschen endet – zunächst – ziemlich genau ein Jahr später mit Strauss’ Brief vom 25. November 1907. Dazwischen dreht sich die Korrespondenz um Fragen des Honorars, der Drucklegung, der Urheber- und Aufführungsrechte, der verschiedenen Fassungen (v.a. um die für Militärmusik), um Strauss’ Einschätzungen der musikalischen Qualität, um die Widmung an den Kaiser und ein besonders zu erstellendes „Kaiser-Exemplar“, um verschiedene Aufführungen sowie eine avisierte weitere Zusammenarbeit.
Sieben bzw. acht Jahre später, im September 1914 und im November 1915, kommt es zu einem erneuten Briefwechsel in Bezug auf op. 57: Wegen einer geplanten Aufführung der Märsche erbittet Strauss Orchestermaterial „gratis leihweise oder als Geschenk“ (11. September 1914) für den Münchener Konzertverein. Hinrichsen erfüllt Strauss diese Bitte, das Konzert kommt jedoch nicht zustande, „da das Conzertvereinsorchester durch den Krieg so zusammengeschmolzen“ sei (Strauss am 19. September 1914). Überhaupt beklagt Hinrichsen nun zunehmend den schlechten Verkauf (s.u.).
Insgesamt handelt es sich um 26 Schriftstücke mit Bezug auf op. 57:
| Zeitraum | Anzahl | von Strauss | von C. F. Peters |
| November 1906 bis November 1907 | 20 | 11 | 9 |
| September 1914 | 4 | 3 | 1 |
| November 1915 | 2 | 1 | 1 |
Darüber hinaus finden sich in dem genannten Zeitraum im Staatsarchiv Leipzig lediglich sechs Schriftstücke8 (davon zwei von Strauss), die sich nicht mit op. 57, sondern – zumeist – mit der Instrumentationslehre befassen.9
Die Korrespondenz zwischen Komponist und C. F. Peters verlief nicht konfliktfrei. Zwei Probleme drohten die Publikation von op. 57 sogar zu gefährden. Sie haben indirekt zu tun mit der Höhe des geforderten Honorars und entzündeten sich direkt an Unstimmigkeiten im Zusammenhang mit den Aufführungsrechten und dem Bearbeiter der Militärmusikfassung. Lediglich dazu sei hier ein Wort gesagt (die musikalischen Aspekte um op. 57 werden an anderer Stelle thematisiert10).
Eine Publikation der Märsche beim Verlag Fürstner war nicht zustande gekommen, da letzterer nur 4000 statt der von Strauss geforderten 6000 Mark zahlen wollte und Strauss unumwunden zugibt, dass er „in dem einmal angesetzten Preise nicht gern heruntergehe“ (4. November 1906). Obgleich Peters „des Herrn Fürstners Ansicht weg. des Honorars nur teilen kann“ (zwischen 4. und 9. November), geht er darauf ein – u.a. weil er mit dem Namen Strauss glaubt punkten zu können und wegen eines vom Komponisten in Aussicht gestellten „ernsteren“ Werkes, bei dessen Inverlagnahme er hoffe, der Komponist werde ihm „das hohe Honorar“ für die Märsche „zu Gute halten“. Strauss zeigt sich erfreut über diese Zusage, zumal, wie er nun eingesteht, die Märsche „wohl kaum ein Bombengeschäft“11 darstellen (20. November).
Tatsächlich ist es nicht zur Inverlagnahme eines größeren Werks gekommen. Am 10. Juli 1914 schreibt Hinrichsen an Strauss, dass er „bis jetzt nicht die Freude hatte, ein grösseres Original-Werk von Ihnen zu publizieren [...].“12 Eine Möglichkeit hätte – wie aus den hier mitgeteilten Briefen vom 24. und 28. November 1915 hervorgeht – Eine Alpensinfonie sein können: Am 24. November 1915 bedauert Hinrichsen, „daß sie nicht in der Edition Peters erscheinen konnte“, worauf der Komponist erwidert: „Ich hatte es gut mit Ihnen gemeint u. hätte sie auch gerne in der Edition Peters gesehen! Aber wenn der Verleger halt nicht will! Schade!“ (28. November 1915). Die Gründe für das Scheitern liegen allerdings im Dunkeln.13
Auch zu einem einträglichen Geschäft mit op. 57 ist es nicht gekommen. Gut sieben Jahre nach Drucklegung, am 14. September 1914, klagt der Verlag, dass die Märsche „bedauerlicher Weise weniger gangbar sind, als sie verdienen“. (Von der Orchester-Partitur [EP 3194] wurden im Juni 1907 200 Stück gedruckt, die zweite und letzte eingetragene Auflage im Mai 1914 umfasste 100 Stück.14) Ein Jahr später, am 24. November 1915, schreibt Hinrichsen, op. 57 sei zwar „von verschiedenen Militärkapellen angeschafft“ worden, die „Orchester mit Streichmusik haben aber von den Märschen keine Notiz genommen, obwohl der Kriegsmarsch – wie ich glaube –, gerade jetzt für viele Programme willkommen wäre.“ Und er bittet Strauss darum, „für dieses militärische Geisteskind einzutreten“. Vier Tage später, in dem letzten Schreiben, das op. 57 überhaupt noch thematisiert, verspricht der Komponist, sich selbst dafür einzusetzen („ich spiele die Märsche bei jeder passenden Gelegenheit“) und er empfiehlt Hinrichsen, „den hervorragendsten Conzertdirigenten Nikisch, Abendroth, v. Hausegger Partituren für ihre Privatbibliotheken, Kapellen u. philharmonisches Orchester in Berlin, Blüthnerorchester, Konzertverein (München) das gesamte Material gratis zu geben.“ (28. November 1915)
Für Konflikt sorgten vor Drucklegung zunächst die Rechte an op. 57. Der Verlag hatte sich in einem zwischen dem 4. und 9. November 1906 zu datierenden Brief zur Publikation und Zahlung der 6000 Mark „mit allen Verlagsrechten“ bereit erklärt. Am 8. März 1907 entwirft Strauss die Titelseite zum Druck von op. 57 mit der Angabe „Aufführungsrecht vom Componisten vorbehalten“. Der Verlag jedoch beruft sich auf die Genossenschaft, die die Fassung „Aufführungsrechte vorbehalten“ vorschreibe (9. März). Der Komponist hingegen besteht weiterhin auf seiner Version und bittet darum, dies zu akzeptieren (11. März). Aber auch Peters bleibt hartnäckig und erinnert Strauss daran, er selbst stehe jener „Genossenschaft deutscher Tonsetzer“ vor, die die vom Verlag favorisierte Fassung als verbindlich erkläre. Hinrichsen droht dem Komponisten an, auf die Erwerbung der beiden Märsche zu verzichten, sollte Strauss sein Einverständnis verweigern; zugleich unterstreicht der Verlagsinhaber seine Drohung durch einen zeitlichen Druck: Da er „auf längere Zeit verreise“, bittet er den Komponisten unverzüglich „um telegraphische Rückäußerung“ (12./13. März). Damit die geplante Publikation nicht scheitert, telegraphiert Strauss am 14. März: „einverstanden. brief folgt“ – um im angekündigten Brief vom gleichen Tage nicht nur sein Gesicht zu wahren, sondern gehörig Dampf abzulassen: „Sie halten den Namen des Autors wohl für einen Schönheitsfehler [...]“. Es ist an Hinrichsen, tags darauf zur Entspannung beizutragen, indem er von einer „gelegentlichen mündlichen Aussprache“ schreibt, bei der Strauss sicherlich seinen (Hinrichsens) „principiellen Standpunkt nur billigen“ werde. Wie wichtig Strauss die Urheberrechtsfrage um op. 57 ist, zeigt sich daran, dass er noch am 25. September 1914 den Verlag um eine Abschrift des Urhebervertrages bittet, da ihm der „Wortlaut nicht mehr gegenwärtig“ sei.
Dem zweiten Konflikt vor Drucklegung von op. 57 geht möglicherweise ein Missverständnis voraus. Mit Übermittlung der Skizzen f...
Inhaltsverzeichnis
- Umschlag
- Titelei
- Impressum
- Inhalt
- Achim Hofer (Landau / Pfalz) „Sie halten den Namen des Autors wohl für einen Schönheitsfehler“ (Strauss) Die Korrespondenz zwischen Richard Strauss und dem Verlag C. F. Peters betreffend op. 57
- Jones – Kristiansen – Larkin Richard Strauss: Dramatic Symphonist or Symphonic Dramatist? Introduction
- David Larkin (University of Sydney) The Unbroken Career of Richard Strauss, Symphonic Dramatist
- Morten Kristiansen (Xavier University, Cincinnati, Ohio) Symphonic or Dramatic? Strauss’s Leitmotivic Practice 1893–1901
- Joseph E. Jones (Texas A&M University-Kingsville) “Ich brauche nur Worte zur Begleitung und zum Ausfüllen”: Strauss’s Orchestral Sketching for Der Rosenkavalier and Arabella
- Oswald Panagl (Salzburg) „Übers Niederträchtige niemand sich beklage …“ Paralipomena zur Liedergruppe op. 67 von Richard Strauss
- Günter Brosche (Wien) Nicht ausgeführte Opernpläne von Richard Strauss und das Feindbild Hans Pfitzner
- Günther Lesnig (Milano): Richard Strauss und ich
- Miscellanea
- Weitere Infos
Häufig gestellte Fragen
Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Erfahre, wie du Bücher herunterladen kannst, um sie offline zu lesen
Perlego bietet zwei Abopläne an: Elementar und Erweitert
- Elementar ist ideal für Lernende und Profis, die sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigen möchten. Erhalte Zugang zur Basic-Bibliothek mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften. Enthält unbegrenzte Lesezeit und die Standardstimme für die Funktion „Vorlesen“.
- Pro: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forscher, die einen vollständigen, uneingeschränkten Zugang benötigen. Schalte über 1,4 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen frei, darunter akademische und hochspezialisierte Titel. Das Pro-Abo umfasst auch erweiterte Funktionen wie Premium-Vorlesen und den Recherche-Assistenten.
Wir sind ein Online-Lehrbuch-Abo, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buches pro Monat Zugang zu einer ganzen Online-Bibliothek erhältst. Mit über 1 Million Büchern zu über 990 verschiedenen Themen haben wir bestimmt alles, was du brauchst! Erfahre mehr über unsere Mission
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Erfahre mehr über die Funktion „Vorlesen“
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren
Ja, du hast Zugang zu Richard Strauss-Jahrbuch 2016 von im PDF- und/oder ePub-Format sowie zu anderen beliebten Büchern aus Media & Performing Arts & Music. Aus unserem Katalog stehen dir über 1 Million Bücher zur Verfügung.