
- 220 Seiten
- German
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eBook - ePub
Über dieses Buch
"Wie ist das denn jetzt wirklich in Griechenland?" "Ist es so, wie es in den Zeitungen steht?" "Und warum wird so viel gestreikt?"
"Krísi, Krísi!" - Griechenland in der Krise! Die Affen haben es laut durch den Medienurwald gerufen. Inzwischen hat es wirklich jeder vernommen: der reiche Bär hinter seinem Bankschreibtisch, der palavernde Wolf hinter seinem Abgeordnetenpult und der kleine Frosch, der unten in seinem Tümpel alles ausbaden muss.
Die deutsche Autorinfröschin Edit Engelmann hat ihren Familientümpel selbst in Athen. Dort hat sie beobachtet, wie die Frösche unter den Bruchstrich gerutscht sind, und meint: Auch der deutsche Frosch sollte wissen, was der griechische Frosch denkt - und erleidet. Direkt. Ohne Umwege. Von Frosch zu Frosch.
Darum erzählt sie in ihrem Froschtagebuch, was nicht in den Zeitungen steht. Und wie sich die Meinung des kleinen Frosches von dem unterscheidet, was die Affen auf Geheiß von Wolf und Bär durch den Urwald kreischen.
Das erste Jahr der Griechenland-Krise: Verblüfft und entsetzt verfolgen die Frösche, wie Bär und Wolf ihr Tümpelbiotop auseinandernehmen und dann auch noch Reparationszahlungen von ihnen verlangen. Da sagen sie doch lieber: "Ich zahle nicht! Quaak! - Den pliróno! Quaak!"
Ein Buch über Geld, Politik und Medienmacht, mit Humoreske inszeniert und liebevoll geschrieben. Das beigefügte Froschglossar ist nicht nur ein Hilfsmittel für die Erklärung der Fremdwörter, die täglich im Bezug zur Eurokrise durch den Medienurwald gerufen werden. Es dient dem Verständnis unserer Zeit. Am Tag, an dem Sie das hier lesen ...
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Political Economy1. Mai 2010
EU UND GRIECHENLAND AUS DER VOGELPERSPEKTIVEZ
Advena Avis, der gefiederte Berichterstatter der Lüfte, hat eine Runde über Berlin und Brüssel gedreht und kam in seiner Kolumne zu folgenden Schluss:
»Der griechische Premierminister gab letzte Woche seine Entscheidung bekannt, dass er das Eurozonenrettungspaket von 30 Milliarden Euro mit weiteren 10 bis 15 Milliarden vom IWF aktivieren wolle.
Aber die EU zankt derweil noch über Details, und Angela Merkel versucht, die Entscheidung für Griechenland hinauszuzögern, zumindest einmal, bis die nächsten wichtigen Wahlen Anfang Mai in Deutschland gelaufen sind.
In Griechenland verstärken sich derweil die sozialen Unruhen. Beinahe täglich verschlechtert sich die Situation. Die Zinsraten für griechische Darlehen wachsen in dem Maße, wie die Spekulanten mit den griechischen Obligationen Spielchen treiben. Derweil wird das Land von Ratingagenturen weiter heruntergestuft.
Sicherlich hat Griechenland seinen Anteil Schuld an dem jetzigen Drama. Aber den weitaus schlimmeren Anteil hat die menschliche Dummheit auf globaler Basis sowie des Menschen unstillbare Habgier.
Was wir Vögel nun gar nicht verstehen können, ist die Tatsache, dass alle auf das hören, was Ratingagenturen flüstern. Nehmen Sie zum Beispiel die Ratingagentur Moody. Der Vorstandsvorsitzende dieses Unternehmens gab einem Senatsausschuss gegenüber am 23. April zu Besten, dass man komplett damit gescheitert sei, die Immobilienblase in den USA richtig einzuschätzen, die letztendlich zur Finanzkrise geführt habe. Das sollte euch doch in ausreichendem Maße beweisen, dass diese Rating-Agenturen komplett unzuverlässig sind. Warum löst ihr die nicht einfach auf?
Und die EU? Sie war bereit eine Rettungsleine von 30 Milliarden Euro zu werfen, wohl eher, um den Euro zu schützen und nicht in erster Linie Griechenland. Und die deutsche Regierung, die vor den Wahlen am 2. Mai in Nordrheinwestfalen bibbert, verspätet sich mit ihrer Zusage sicherlich, bis diese gelaufen sind. Anscheinend ist die Griechenland-Krise zu einem innerdeutschen Problem geworden. Die Freie Demokratische Partei, der Koalitionspartner, steht der griechischen Bitte noch kritischer gegenüber als Merkel. Sein Vize gab unlängst bekannt, dass es ein Schlag ins Gesicht der Deutschen wäre, wenn man den Griechen jetzt Geld gäbe. Als ob die 8 Milliarden Euro, die Deutschland beitragen würde, einen spürbaren Unterschied für den deutschen Steuerzahler machten, deren Land mit einem Defizit von 1,8 Billionen Euro kämpft. Die Partei der Bayern, CSU, plädiert gleich für einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone.
Aber die Deutschen könnten in diesem Zusammenhang eigentlich auch an den kleinen Beitrag denken, den Griechenland für die deutsche Wirtschaft geleistet hat. Sie vergessen leicht, dass es eigentlich Griechenland war, das 5 % der deutschen Beschäftigten in Lohn und Brot gehalten hat, die in den letzten 25 Jahren in der deutschen Waffenindustrie gearbeitet haben. Griechenland hat der deutschen Waffenindustrie in den Jahren seit 1874 jährlich 300 Millionen Euro eingebracht und ungefähr 2,6 Milliarden allein in den Jahren 2005 bis 2009.
Trotz der derzeitigen Situation Griechenlands besteht Deutschland darauf, dass Griechenland weiterhin Eurofighter kauft.
Und sprechen wir nicht davon, dass deutsche Gesellschaften den Athener Flughafen bauten und auch von anderen in Griechenland gemachten Investitionen profitierten. Wie viele Mercedes, Audi und Volkswagen zirkulieren in Griechenland?
Merkel sollte auch wissen, dass Deutschland von dem jetzigen Darlehen an Griechenland profitieren wird, und zwar mit einem 5%igen Zinssatz. Vielleicht fiele es ihr leichter, die Wahl am 9. Mai zu gewinnen, wenn sie diesen Verdienst auch wahrheitsgemäß bekanntgeben würde. Aber sie zeigt, dass sie nur ein Politiker ist, wie alle anderen auch.
Wie dem auch sei, die derzeitigen Handlungsweisen lassen das Licht in der Eurozone nicht gerade leuchten. Wäre es nicht eine wunderbare Demonstration von europäischer Solidarität, wenn die deutsche Regierung wegen der griechischen Wirtschaft zusammenbrechen würde? Vielleicht wäre das dann eine Vorablektion für die Türkei, sozusagen ein Lehrstück, wie europäische Solidarität wirklich funktioniert.«15
So ist das also mit dem Globalisierungszeugs. Wenn in Griechenland keiner mehr kauft, kommen in Deutschland einige Räder ins Trudeln. Und wenn die trudeln, dann wird es auch den Bären und Wölfen schwindlig. Und zwar befällt die dann gleich ein globaler Schwindel. Nein – stopp, da waren wir schon. Damit hat es ja angefangen, mit dem globalen Schwindel.
Wie dem auch sei. Jedenfalls ist es jetzt wohl so, dass die Wahlen in Deutschland von den Schulden in Griechenland abhängen. Wenn wir Frösche jetzt noch begreifen, was wir damit für einen gewaltigen Einfluss haben, dann startet eine neue Internationale. Ich schlage vor, dass jeder Frosch, der sich als solcher fühlt, in Zukunft ein grünes Bändel am rechten Vorderschenkel befestigt. Dann können wir zumindest schon einmal sehen, wie viele wir eigentlich sind.
Frösche, hört die Signale!
4. Mai 2010
DIE STREIKWELLE ROLLT AN
Auf der Akropolis haben sie sich versammelt und rufen alle Frösche Europas zum Widerstand auf. Große Spruchbänder hängen von den Mauern und das Parthenon thront darüber wie zu antiken Zeiten. Die öffentlichen Angestellten Griechenlands haben zum Widerstand geblasen. 48 Stunden Streik sind die Antwort auf die Ankündigungen der Sparmaßnahmen, die Grundvoraussetzung für das sogenannte Hilfspaket von EU und IMF waren.
Wenn ich mich so unter den griechischen Froschmassen umhöre, werden dies nicht die letzten Streiks und Aufstände sein. Die Griechen möchten hiermit ein Zeichen setzen – ein Zeichen, dass es so nicht geht. Man (bzw. die Regierung) kann nicht erst alles in den Sand setzen und dann verlangen, dass alle anderen außer man selbst für den Schaden aufkommen.
In Deutschland soll derweil geklagt werden. Da die Eurorettung komplett konträr zum Lissabonner Vertrag steht und somit gegen die Gesetze, wollen einige deutsche Ökonomen und Staatsrechtler zu Gerichte ziehen. Und zwar zum Bundesverfassungsgericht. Dabei haben die Deutschen gar keine Verfassung, sondern nur ein Grundgesetz. Nach reiner Froschlogik müsste es also ein Grundgesetzgericht sein. Wie es auch heißt, helfen wird das wohl doch nicht. Und sicherlich nicht den Griechen. Und den Deutschen wohl auch nicht. Denn Recht haben und Recht kriegen sind schon von alters her zwei verschiedene Dinge. Dummerweise zwei, die nicht oft zusammenfallen.
Dabei kann ich mir gar nicht vorstellen, dass es dem kleinen deutschen Michel darum geht, jetzt absolut niemandem aus der Patsche helfen zu wollen. Vielmehr denke ich, dass der deutsche Michel und der griechische Kostas sich völlig darüber einig sind: Die, die’s verbockt haben, sollen es jetzt auch bezahlen. Und das waren weder Michel noch Kostas.
8. Mai 2010
RATINGAGENTUREN AUS DER VOGELPERSPEKTIVE
Advena Avis hat mal den Ratingagenturen auf die Finger geschaut. Wir sehen ja leider immer nur die Füße und können deshalb vieles gar nicht so richtig verstehen. Deshalb lesen wir uns mal genau durch, wie der Vogel das beschreibt:
»Es ist uns Vögeln immer ein ausgesprochenes Vergnügen, wenn wir feststellen können, dass sich Politiker Anregungen unserer Spatzenhirne zu Herzen nehmen. Wir hatten darüber gezwitschert, warum sie an diese selbsternannten Ratingagenturen glauben, anstatt sie schlichtweg auf Grund ihrer Unzuverlässigkeit abzuschaffen und ihren eigenen Verstand zu gebrauchen.
Diese Frage wurde sofort von einigen Politikern gestellt, nachdem die Ratingagentur Standard & Poors (oder vielleicht „standardly poor“, also arm per Definition) Griechenland finanztechnisch gesehen zu Müll deklarierte und damit Aktien und Euros zum Absturz brachte. Rufe wurden laut, dass diese Ratingagenturen verantwortungsbewusst handeln sollten. IMF-Direktor Dominique Strauss-Kahn verkündete, dass dieses Rating lediglich die Wahrnehmung der Kapitalanleger über die finanzielle Gesundheit einer Nation widerspiegeln würde und man dem Ganzen demzufolge nicht allzuviel Glauben schenken solle. Der deutsche Außenminister hingegen forderte die sofortige Einrichtung einer europäischen Ratingagentur. Er war der Meinung, dass Ratingagenturen nicht gleichzeitig Finanzprodukte entwickeln, verkaufen und bewerten dürften. Seine Idee, eine europäische Ratingagentur zu gründen, klingt eigentlich ganz gut, aber nur, wenn es auch noch eine EU gibt, die es dann zu bewerten gilt.
Neue EU-Regeln, die im Dezember in Kraft treten werden, könnten bei bereits bestehenden Agenturen Anwendung finden, aber nur insofern, als diese in der EU operieren. Sie würden jedoch nicht diejenigen betreffen, die aus den USA heraus agieren. Es waren aber genau Letztere, die diesen ganzen Schlamassel verursacht haben. Warum? Höchstwahrscheinlich, um den Euro zugunsten des Dollar auf Müllstatus abgewertet zu sehen. Ob EU-Politiker das wohl alles verstanden haben?
Etwas recht Niedliches geschah auch in den USA am 29. April. Tausende Demonstranten sammelten sich in der Innenstadt von New York, um ihrer Wut auf die Wall Street Ausdruck zu verleihen und die Rolle zu verdammen, die die Großbanken in Amerikas Wirtschaftskrise spielen. Vom Rathaus bis in die Wall Street marschierten sie und sangen ›Gute Jobs für alle‹. Die Protestierenden hielten ...
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Titel
- IMPRESSUM
- VORWORT
- 29. Januar 2010
- 15. Februar 2010
- 23. Februar 2010
- 24. Februar 2010
- 25. Februar 2010
- 27. Februar 2010
- 26. März 2010
- 19. April 2010
- 30. April 2010
- 1. Mai 2010
- 4. Mai 2010
- 8. Mai 2010
- 15. Mai 2010
- 4. Juli 2010
- 12. Juli 2010
- 16. Juli 2010
- 23. Juli 2010
- 24. Juli 2010
- 2. August 2010
- 6. August 2010
- 6. September 2010
- 7. September 2010
- 21. September 2010
- 22. September 2010
- 23. September 2010
- 24. September 2010
- 25. September 2010
- 29. September 2010
- 7. Oktober 2010
- 10. Oktober 2010
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- QUELLEN
- BIOGRAPHISCHES
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