Spiel dein Leben
eBook - ePub

Spiel dein Leben

Über die Leichtigkeit des Lebens

  1. 200 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub

Spiel dein Leben

Über die Leichtigkeit des Lebens

Über dieses Buch

Inmitten von Pflichtgefühl und Perfektion, zwischen vollen Terminkalendern und hohem Verantwortungsdruck, sitzt Stefan - Rektor einer Pädagogischen Hochschule - allein auf einer Bank in Basel. Seine Partnerin hat ihn verlassen. Der Sinn seiner Arbeit gerät ins Wanken. Da tritt ein kauziger, alter Mann an seine Seite. Er nennt sich 'der Spieler' - und stellt unschuldige Fragen, die alles infrage stellen: Was, wenn das Leben ein Spiel ist? Was, wenn Glück nicht im Erfüllen von Leistungserwartungen liegt, sondern im Folgen des eigenen inneren Kompasses? In einer stillen, kraftvollen Erzählung begibt sich Stefan auf eine Reise zurück zur Leichtigkeit. Er beginnt, Glaubenssätze über Arbeit, Lernen und Erfolg zu hinterfragen - und entdeckt das Spielerische als Weg zu einem freien, erfüllten Leben. 'Spiel dein Leben' ist eine Einladung, mit Konventionen zu brechen - und das Leben in ein abenteuerliches Spiel zu verwandeln.

375,005 Studierende vertrauen auf uns

Zugang zu über 1 Million Titeln zu einem fairen monatlichen Preis.

Mit unseren Lerntools kannst du noch effizienter lernen.

Information

Jahr
2021
ISBN drucken
9783753459332
eBook-ISBN:
9783752679885
Das Spiel
»Das Leben ist ein Ponyhof. Lerne einfach endlich zu reiten.«
Stefan Hiene (*1975), Aufwachmediziner
»Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.«
Friedrich Schiller (1759-1805), Arzt, Dichter, Philosoph und Historiker
Drei Wochen später trieb es Stefan Herzog wieder zur Pfalz hinauf.
Es waren drei miserable Wochen gewesen. Die erste Zeit ohne Barbara. Ganz allein.
Es hatte so gut wie keine Minute gegeben, in der er nicht an sie gedacht hatte. War er zu Hause, starrte er mit düsterem Blick auf die Eingangstür, in der Hoffnung, Barbara würde hereinkommen.
Zum Glück war er selten zu Hause. Er hatte sich in seine Arbeit vergraben. Das fiel ihm nicht schwer. Schwer fiel es ihm aber, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Seiner Rektoratsassistentin war es zu verdanken, dass er keine Termine verpasst hatte. Dabei war er sonst die Zuverlässigkeit in Person.
Auch während Sitzungen schweiften seine Gedanken immer wieder ab. Einmal hatten ihn sämtliche Anwesende erwartungsvoll angestarrt. Sie hatten den Eindruck gemacht, als würden sie von ihm als Sitzungsleiter eine Reaktion erwarten. Er hatte jedoch keine Ahnung gehabt, um was es gegangen war. Seine Gedanken waren weit weg gewesen.
Wieder half ihm seine Assistentin. Sie schrieb während der Sitzung das Protokoll und fragte ihn, ob sie das Besprochene so und so zusammenfassen könne. Das rettete ihn aus dieser Situation und brachte ihn zurück ins Geschehen. Er war ihr unendlich dankbar.
Nein, es waren wirklich keine guten Wochen gewesen. Das allabendliche Glas Wein, eine inzwischen eingeschlichene Gewohnheit, änderte auch nichts daran. Zudem war es nicht immer bei dem einen Glas geblieben, wie er eingestehen musste. Was sonst sollte er zu Hause tun?
Aber jetzt war er nüchtern.
Stefan wusste selbst nicht, weshalb er erneut die Pfalz aufsuchte.
Die Begegnung mit dem kauzigen Spieler hallte in ihm nach. Manchmal war sich Stefan nicht sicher, ob sie wirklich stattgefunden hatte. Oder hatte er so viel intus gehabt, dass er sich alles nur eingebildet hatte?
Stefan wollte auf Nummer sicher gehen und war deshalb dieses Mal absolut nüchtern.
Vielleicht wusste er doch, was ihn hintrieb.
Da war eine Frage, die an ihm nagte.
Mitten in einer Sitzung hatte ihm ein Gedanke das Blut ins Gesicht gejagt: Was, wenn der seltsame Kauz gar nicht so harmlos war, wie er getan hatte? Vielleicht gar ein fieser Boulevard-Journalist auf der Jagd nach der nächsten Story? Immerhin gehörte er, Stefan, als Hochschul-Rektor, der gut in der Stadt verankert war, zur lokalen Prominenz. Hatte er diesem wildfremden Menschen wirklich seine privaten Probleme anvertraut? Alles Quatsch! Wenn dem so gewesen wäre, wäre die Story längst publiziert, schalt ihn sein Verstand. Ein flaues Gefühl in der Magengegend blieb trotzdem.
Was versprach er sich von seinem Gang auf die Pfalz? Gewissheit, dass er keine Angst haben musste?
Das ist doch absurd, hämmerte eine Stimme in seinem Kopf. Selbst wenn der komische Kauz wirklich existierte, die Wahrscheinlichkeit war minimal, dass er gerade jetzt auf der Pfalz auftauchen würde.
Stefan trat oben angekommen an die Betonbrüstung und ließ den Blick über den Rhein unter ihm und über Kleinbasel auf der anderen Seite des Flusses schweifen. Die Hochhäuser werden immer höher, ging es ihm durch den Kopf.
»Na, hattest du viel Freude beim Spielen?«, hörte er plötzlich eine Stimme hinter sich.
Stefan wirbelte herum.
Da stand er. Genauso wie er ihn in Erinnerung hatte.
Es gab ihn wirklich.
Dann hatte er wohl auch erlebt, was er erlebt zu haben glaubte.
Stefan spürte wieder die Wut in sich aufsteigen, ohne zu wissen worauf er wütend war. Wegen dem despektierlichen »Du«, mit dem der Spieler ihn, immerhin war er Rektor einer Hochschule, angesprochen hatte? Oder wegen dem absurden Gespräch?
Oder war es gar Wut auf sich selbst? Darauf sich eine Blöße gegeben und seine privaten Angelegenheiten mit diesem Mann geteilt zu haben? Das ging diesen Fremden wirklich nichts an! Als Rektor musste er selbst schwierigen Situationen gewachsen sein. Wenn einer stark sein musste, dann er! Ein gefühlsduseliger Rektor – dieses Bild wollte er auf keinen Fall nach außen vermitteln.
»Freude beim Spielen? Nein«, gab er zurück. »Ich habe gespielt, aber ich habe mich nicht glücklich gefühlt dabei. Was zeigt, dass Ihre Theorie Humbug ist.«
Der Spieler ging nicht auf die Wertung ein. »Was hast du denn gespielt?«
»Monopoly. Ich lud einige Freunde ein. Das Spiel lief von Anfang an nicht gut. Ich konnte kaum Grundstücke kaufen. Nur einige Unbedeutende. Aarau. Basel, Steinen-Vorstadt. Und dann noch die Elektrizitätswerke. Ich habe es nicht mal geschafft, von einer Farbe sämtliche Grundstücke zu besitzen. Meine Freunde haben mich ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Das hat definitiv keinen Spaß bereitet!«
»Dann dürfte das kein Spiel gewesen sein.«
»Natürlich ist Monopoly ein Spiel!«
»Was ist für dich ein Spiel?«
»Was ein Spiel ist, weiß doch jedes Kind!«
Der Spieler kicherte. »Ja, ein Kind schon. Das sind Spielexperten! Aber wir Erwachsene?«
Stefan setzte zum Sprechen an, schloss den Mund aber wieder und setzte sich auf das breite Betonmäuerchen, das die Pfalz hoch über dem Rhein umschloss. Der Spieler hüpfte ebenfalls hoch und ließ sich neben ihm nieder. Erst jetzt realisierte Stefan, wie klein der Spieler war.
»Ein Spiel ist, mhm, na ja, ein Spiel ist eine Aktivität, die, mhm …«
»Ja?«
»Sie scheinen es ja zu wissen«, entgegnete Stefan bissig. »Was ist ein Spiel?«
Ein schalkhafter Glanz leuchtete in den Augen des Spielers auf. »Ein Spiel hat tausend Facetten. Es lässt sich auf unzählige Arten beschreiben. Magst du ein kleines Spiel spielen?«
Stefan wusste nicht, was er antworten sollte, also nickte er resigniert.
»Prima prima«, freute sich der seltsame Kauz. »Schaffen wir es, das Spiel mit nur fünf Eigenschaften zu umschreiben? Nein, du bist ja ein gebildeter Mensch, da müssen wir ehrgeiziger sein. Wie wäre es mit drei Eigenschaften?«
Verspottete ihn der Alte?
Stefan hatte keine Ahnung, wo ihn dieses Spielchen hinführte, aber irgendwie hatte ihn der Ehrgeiz gepackt. Wieder nickte er.
Der Spieler klatschte entzückt in die Hände. »Dann rein ins Vergnügen! Am besten nehmen wir mal einige Spiele und versuchen, Gemeinsamkeiten zu entdecken. Ja?«
»Von mir aus.«
»Gut gut. Dann das erste Spiel: Räuber und Gendarm.«
»Fußball.«
»Einen Bach stauen.«
»Schach.«
»In Pfützen springen.«
»Hm. Tetris.«
»Ganz ausvorzüglich! Das sollte reichen. Ah, nein, Monopoly fehlt noch.«
»Bitte was? Ich dachte, das sei Ihrer Meinung nach kein Spiel?«
»Es kann eins sein, es kann auch keins sein.«
»Da werde ich nicht schlau draus.«
»Spielen bereitet Spaß, oder? Du hattest aber keinen Spaß bei der Monopoly-Partie.«
»Ah, Sie meinen, dass es entscheidend ist, ob etwas Spaß bereitet? Dann wäre Spaß eine erste Eigenschaft.«
Der Spieler wog den Kopf hin und her. »Ein Buch zu lesen kann auch Spaß bereiten. Oder einen Film zu schauen. Solche Aktivitäten würde ich aber nicht als Spiel bezeichnen. Du schon?«
Stefan schüttelte den Kopf. »Ah, aber Sie haben da etwas Wichtiges erwähnt: Aktivitäten!«
Der Spieler nickte begeistert. »Jawollja, Aktivität könnte eine Eigenschaft des Spiels sein. Ach nein, sonst wäre ja ein Buch lesen oder ein Film schauen auch ein Spiel. Oder kochen.« Der Spieler blickte hoch konzentriert in den Himmel. »Wobei, vielleicht müssten wir die Aktivitäten einfach genauer definieren. Wie wärs mit Herausforderungen?«
»Herausforderungen? Ja, könnte passen.«
»Also Aktivitäten, die weder langweilen noch überfordern. Gut gut. Aber, hm …« Die Falten des Spielers hatten plötzlich aufgehört, um die Wette zu zucken. »Da fällt mir gerade etwas ein.«
»Was denn?«
»Das Liebesspiel.«
Stefan seufzte. Seine Gedanken kehrten zu Barbara zurück. »Was ist mit dem Liebesspiel?«
»Sex fühlt sich nicht immer spielerisch an. Beispielsweise, wenn er zur Routine geworden ist. Hingegen ist das Liebesspiel, das den Namen auch verdient, weder langweilig noch überfordernd. Also eine Herausforderung. So weit passt alles. Aber was ist, wenn sich der Sex nur für einen Partner wie ein Spiel anfühlt?«
»Sie meinen …«
Der Spieler nickte. »Jawollja. Was ist, wenn Sex nicht freiwillig geschieht? Wenn jemand zu Sex gezwungen wird?«
»Stimmt, dann ist das definitiv kein Spiel. Vielleicht wäre die Freiwilligkeit eine weitere Eigenschaft des Spiels? Also eine Herausforderung, die wir freiwillig anpacken?«
»Halleluja, das gefällt mir, das gefällt mir!« Der Spieler sprang zu Boden und hüpfte aufgeregt von einem Bein auf das andere.
Mittlerweile war Stefan mit Feuereifer dabei. »Das heißt«, grübelte er, »ein und dieselbe Tätigkeit kann einmal ein Spiel sein und einmal nicht.«
»Jawollja, das sehe ich auch so. Deshalb kann Monopoly sich einmal wie ein Spiel anfühlen und einmal nicht.«
»Das könnte heißen, wenn ich Monopoly freiwillig spiele, ist es ein Spiel und wenn nicht, dann … Aber ich habe Monopoly doch freiwillig gespielt!«
»Zu Beginn wohl schon. Doch dann lief es nicht gut für dich. Kann es sein, dass du nur noch weitergespielt hast, weil du das Spiel nicht kaputt machen wolltest?«
Stefan überlegte schweigend. Dann nickte er.
»Herausforderung. Freiwilligkeit. Hm. Das würde bedeuten … Angenommen, eine Sportlehrerin ruft in der Schule zum Fußballspiel auf. Dann spielen die Kinder ja nicht freiwillig. Ist Fußball dann kein Spiel?«
Der Spieler schaukelte mit dem Kopf hin und her. »Für jene Kinder, die gerne Fußball spielen, dürfte es sich wie ein Spiel anfühlen. Wer aber nicht gerne Fußball spielt, für den fühlt sich Fußball nicht wie ein Spiel an, sondern wie eine Pf...

Inhaltsverzeichnis

  1. Weitere Informationen
  2. Widmung
  3. Inhaltsverzeichnis
  4. Der Spieler
  5. Das Spiel
  6. Das erste Puzzleteil des spielerischen Lebens
  7. Sinnlose Aufgabe
  8. Stefans Welt steht kopf
  9. Faszinationen
  10. Antriebskräfte
  11. Das eigene Leben
  12. Adieu alte Welt
  13. Der Weg zurück zu sich
  14. Das Spiel beginnt
  15. Angst
  16. Der innere Kompass
  17. Zurück auf Feld eins
  18. Nebel
  19. Die letzte Meile
  20. Wiedersehen
  21. Sendepause
  22. Epilog
  23. Einige Worte zum Schluss
  24. Literaturempfehlung
  25. Weitere Informationen 2
  26. Über den Autor
  27. Impressum

Häufig gestellte Fragen

Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Erfahre, wie du Bücher herunterladen kannst, um sie offline zu lesen
Perlego bietet zwei Abopläne an: Elementar und Erweitert
  • Elementar ist ideal für Lernende und Profis, die sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigen möchten. Erhalte Zugang zur Basic-Bibliothek mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften. Enthält unbegrenzte Lesezeit und die Standardstimme für die Funktion „Vorlesen“.
  • Pro: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forscher, die einen vollständigen, uneingeschränkten Zugang benötigen. Schalte über 1,4 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen frei, darunter akademische und hochspezialisierte Titel. Das Pro-Abo umfasst auch erweiterte Funktionen wie Premium-Vorlesen und den Recherche-Assistenten.
Beide Abopläne sind mit monatlichen, halbjährlichen oder jährlichen Abrechnungszyklen verfügbar.
Wir sind ein Online-Lehrbuch-Abo, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buches pro Monat Zugang zu einer ganzen Online-Bibliothek erhältst. Mit über 1 Million Büchern zu über 990 verschiedenen Themen haben wir bestimmt alles, was du brauchst! Erfahre mehr über unsere Mission
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Erfahre mehr über die Funktion „Vorlesen“
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren
Ja, du hast Zugang zu Spiel dein Leben von Nando Stöcklin im PDF- und/oder ePub-Format sowie zu anderen beliebten Büchern aus Law & Law Theory & Practice. Aus unserem Katalog stehen dir über 1 Million Bücher zur Verfügung.