
- 263 Seiten
- German
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Über dieses Buch
Man darf auch Fehler machen. Aber manche davon sind so katastrophal, dass unsere freikirchlichen Gemeinden daran zu Grunde gehen. Dieses Buch schildert zehn Grundsatzfehler, mit denen es "Jesus-Nachfolger" absolut verkehrt herum anpacken.
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Thema
Theology & ReligionThema
Christianity1. Unsere Meinung statt Gottes Meinung
Gott hat uns durch die Bibel zu vielen Lebens- und Glaubensfragen klare Statements gegeben. Wir bezeichnen deshalb die Bibel als „Gottes Wort“ und proklamieren, dass sie die oberste und göttlich angeordnete Instanz für unser Denken, Leben und Handeln sei.
Gelebte Praxis ist aber, dass wir der Bibel weitgehend bis gar nicht gestatten, uns und unser Leben zu interpretieren. Stattdessen interpretieren wir die Bibel. Und zwar folgendermaßen:
Start- und Ausgangspunkt ist in aller Regel unser angewöhnter Lebens- und Frömmigkeitsstil, unsere bisherigen Alltags- und Glaubenserfahrungen und unsere eingeübten Sichtweisen. Oder kurz gesagt: Startpunkt sind immer wir! Unser Denken, unsere Meinung, unser Empfinden, unsere Erfahrung.
Aus dieser Position heraus schlagen wir die Bibel auf und schauen, was sie uns (noch) zu sagen hat. Und lesen dann – von unserem Standpunkt ausgehend – Bibelverse und Bibeltexte in unsere Situation hinein. Wir interpretieren sie konsequent und ungehemmt immer jeweils passend zu unserer Meinung, oftmals sogar haarsträubend kontext- und bedeutungsfrei. Wir lesen also nicht das, was da steht oder was Gott uns sagen möchte, sondern wir lesen das, was „eigentlich da stehen sollte“ und was zu unseren bereits vorgefassten Standpunkten passt. Bestenfalls darf das Wort Gottes dann den einen oder anderen Standpunkt nochmals etwas feiner justieren, die eine oder andere bereits erarbeitete Ansicht entweder bestärken oder relativieren oder den einen oder anderen Aspekt zu unserer längst gebildeten Meinung noch hinzufügen. Mehr aber nicht.
Damit ist die Bibel natürlich nicht mehr „Gottes Wort“, sondern wird de facto nur noch als „Bruchsteinhalde“ für Meinungszementierungen missbraucht. Denn in letzter Konsequenz lesen wie die Bibel dann praktisch ausschließlich nur noch unter dem Aspekt „So sehe ich das – wo sind jetzt die Bibelstellen, die das bestätigen?“
Ich möchte das mal an einem Beispiel deutlich machen. Nicht irgendein Beispiel übrigens, sondern eines, das - vom sogenannten „Zeitgeist“ aufgezwungen – momentan praktisch die ganze evangelikale Christenheit in die Irre führt. Schon seit Jahrzehnten, und zwar ununterbrochen.
Galater 3,28:
Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.
Die Bibelstelle, die wir momentan durchgehend „vergewaltigt“ auslegen, ist Galater 3,28. Bekanntlich wird diese Bibelstelle immer dann zitiert, wenn es um die „Stellung der Frau“ geht. Und zwar fast immer als einzige (!) Bibelstelle, die angeblich die „gleichberechtigte“ Stellung der Frau nicht nur in unserer Gesellschaft, sondern auch in unseren Gemeinden begründen soll. Es wird uns mit Bezug auf diese Bibelstelle nämlich weisgemacht, dass Paulus (und damit die Bibel und somit auch Gott) die grundsätzliche Gleichstellung der Frau hiermit proklamiere, und zwar Gleichberechtigung in allen Belangen, denn Paulus schreibe doch explizit: „…es ist nicht Mann noch Frau“!
An diesem Auslegungs-Beispiel – das weitreichende theologische, humanitäre und vor allem auch seelsorgerliche Konsequenzen nach sich zieht! – lässt sich sehr schön darstellen, wie ein festgelegtes Vorverständnis eine klare biblische Aussage regelrecht vergewaltigen und ins Gegenteil verdrehen kann. Solange, bis das falsche Verständnis zur allerseits gewohnten Selbstverständlichkeit wird und dann niemandem mehr auffällt.
Denn die eben genannte „biblische“ Argumentation grenzt eigentlich an bewusste Irreführung. Auch der theologisch ungebildete Bibelleser kann nämlich unschwer feststellen, dass die Formulierung von Paulus „hier ist nicht Mann noch Frau!“ (Luther-Übersetzung) lautet, womit man zwingend zum Schluss kommen muss, dass Paulus durch dieses „hier“ die Gleichheit zwischen Mann und Frau nur in einer bestimmten Beziehung konstatiert. Das „hier“, das von Luther übrigens völlig korrekt aus dem Griechischen übersetzt worden ist (der griechische Urtext beinhaltet eine Art „Ortsangabe“, die man z.B. auch als „darin“ übersetzen könnte), verweist auf den Zusammenhang, in dem der Vers steht: nämlich auf das „Christus durch die Taufe angezogen haben“ im vorhergehenden Vers 27 sowie auf das „einer sein in Christus“ am Ende von Vers 28. Die paulinische Proklamation einer Gleichheit von Mann und Frau bezieht sich also eindeutig auf die Stellung von Mann bzw. Frau in Bezug auf Jesus. „Hier“ beziehungsweise „darin“, nämlich in der Stellung vor Jesus, sind Mann und Frau gleich. Genau darin - und nur darin!
Galater 3,27:
Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.
Das schreibt Paulus in diesem Galater-Bibelvers. Über eine mögliche Gleichheit von Mann und Frau in irgendeinem anderen Bereich (z.B. betreffend Leitungsfähigkeiten, Aufgabenzuteilungen, Begabungen, Charaktermerkmale usw.) sagt dieser Satz schlicht gar nichts aus. Auch wenn es wieder und wieder, im Brustton tiefster Überzeugung und von einer feministischemanzipatorisch beflügelten Mehrheit behauptet wird.
Der Vers ist folglich nicht anwendbar, wenn es um Gleichstellung der Frau geht – es sei denn, es geht um die gleiche Stellung von Mann und Frau „vor Christus“, also um ihre gleiche Stellung als „Erlöste, die ihm gehören“. „Hier“ sind sie gleich. Der unmittelbare Kontext in Verbindung mit dem paulinischen „hier“ oder „darin“ führt jede andere Auslegung ad absurdum.
Dieses „hier“ wird in Galater 3,28 von Paulus sogar mehrfach wiederholt, damit es auf keinen Fall übersehen werden kann! Weil es eben nicht übersehen werden darf, denn er will mit dem mehrfachen „hier“ explizit darauf hinweisen, dass die Gleichheit zwischen Mann und Frau keinesfalls als generell interpretiert werden soll, sondern streng eingegrenzt bleiben muss auf den Bereich „Stellung vor Christus“.
Um Galater 3,28 richtig zu verstehen, lese man einfach mal den Vers laut vor sich her und betone dabei immer explizit das Wort „hier“: Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. Und schon hat man die eigentliche Bedeutung des Verses, so wie Paulus ihn gemeint hat, erfasst. Und man versteht, dass dieser Vers genau das Gegenteil der gängigen feminismusverseuchten Auslegung, Paulus würde hier einer grundsätzlichen Gleichheit das Wort reden, proklamiert.
1. Korinther 12,13:
Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt.
Dieses korrekte Verständnis von Galater 3,28 wird bestätigt, wenn man andere biblische Belegstellen vergleichend zu Rate zieht, beispielsweise die Parallelstelle in 1. Korinther 12,13. Auch hier ist völlig unstrittig, dass Paulus nicht etwa die grundsätzliche und vollumfängliche Gleichstellung von Juden und Griechen oder von Sklaven und Freien meint, sondern auch an dieser Stelle betrifft die Gleichstellung nur einen einzigen Aspekt, nämlich die Ausrüstung mit dem Heiligen Geist. Niemand würde sich in die absurde Behauptung versteigen, auch bei diesem Vers würde Paulus Juden und Griechen oder sogar Sklaven und Freie als „grundsätzlich gleich“ proklamieren.
Warum also sollte das in Galater 3,28 anders sein? Warum sollte der strukturell genauso formulierte Galater-Vers plötzlich „vollumfänglich“ gemeint sein?
Paulus hebt auch an vielen anderen Stellen explizit die Unterschiede zwischen verschiedenen Menschen bzw. Menschgruppen nicht auf, etwa in 1. Korinther 1,22 bezüglich Juden und Griechen oder in Epheser 6,5 bezüglich Sklaven und deren Herren.
1. Korinther 1,22:
Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit…
Epheser 6,5:
Ihr Sklaven, seid gehorsam euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern…
Die Unterschiede bleiben bestehen!
Und genauso hebt er die Unterschiede betreffend Mann und Frau nirgends grundsätzlich auf, wie zum Beispiel 1. Korinther 14,33+34 oder Kolosser 3,18+19 belegen. Würde er einer grundsätzlichen Gleichheit bzw. Gleichstellung der Geschlechter das Wort reden, hätte er diese Verse niemals so formulieren dürfen.
1. Korinther 14,33+34:
Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen schweigen in den Gemeindeversammlungen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt.
Kolosser 3,18+19:
Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, wie sich's gebührt in dem Herrn. Ihr Männer, liebt eure Frauen und seid nicht bitter gegen sie.
Es ist bei Paulus also eindeutig belegbar, dass die Gleichstellung von Mann und Frau nicht vollumfänglich und für alle Lebensbereiche gemeint sein kann. Er unterscheidet durchaus, in welchem Zusammenhang die Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen und in welchem sie aufgehoben sind: In Bezug auf das „in Christus sein“ sind sie aufgehoben, betreffend Stellung und Rolle der Frau in Gesellschaft und Gemeinde nicht. Jedem ernsthaften Bibelleser müsste das eigentlich einleuchtend sein.
Wie kann es denn aber trotzdem zu einer solchen Verdrehung einer klaren und eindeutigen biblischen Aussage kommen? Doch wohl nur dadurch, dass man an die Bibel herantritt mit eben jenem Vorverständnis „So sehe ich das – wo sind die Bibelstellen, die das bestätigen?“
Im vorliegenden Fall also mit dieser Vorgabe: „Ich will unbedingt die grundsätzliche Gleichberechtigung von Mann und Frau als biblisch darstellen – welchen Vers könnte ich dazu zitieren?“
Und dann kommt man auf Galater 3,28 inklusive der unverfrorenen Peinlichkeit, dass jedem halbwegs aufmerksamen Bibelleser sofort auffällt, dass diese Bibelstelle eigentlich genau das Gegenteil aussagt, nämlich, dass Mann und Frau eben gerade nicht gleich sind, außer in ihrer Stellung vor Gott bzw. Christus. Sogar zwingend: Gleichheit ausdrücklich nur diesbezüglich, ansonsten aber keinesfalls!
Es ist nicht nur erstaunlich, sondern es erschüttert mich regelrecht, wie viele eigentlich ernst zu nehmende Christen diesen Vers dermaßen vergewaltigen und auch noch stur und uneinsichtig weiter darauf beharren, selbst wenn man ihnen den Irrtum biblisch nachweist. Und es stimmt bedenklich, wie viele völlig ungeprüft und ohne eigenes Nachdenken darauf hereinfallen.
Noch absurder kann eine Bibelstelle schwerlich missbraucht werden. Es zwingt sich die Erkenntnis auf, dass manche Christen gewisse Standpunkte so verinnerlicht und zementiert haben, dass sie nicht mehr bereit und wahrscheinlich auch nicht mehr in der Lage sind, unvoreingenommen einfach das zu lesen, was tatsächlich in der Bibel steht.
Da hat Gottes Wort dann schlicht keine Chance mehr.
***
Aber glauben wir wirklich, dass Galater 3,28 die einzige Bibelstelle ist, bei der wir „versehentlich“ Gottes Meinung durch unsere Meinung ersetzen – und es noch nicht einmal merken, obwohl es deutlich und schwarz auf weiß völlig anders da steht, ja vielleicht sogar, wie im vorliegenden Beispiel, genau umgekehrt?
Der Verdacht liegt nahe, dass uns das auch noch bei anderen biblischen Aussagen passieren könnte…
Wie gehen wir denn beispielsweise derzeit mit den gerade aktuellen Anfragen zum Thema „Homosexualität“ oder zur „Ehe für alle“ um? Auch bei diesen Themen ist oftmals geradezu peinlich offensichtlich, wie unsere Meinung über das Wort Gottes gestellt wird: Das Ergebnis steht jeweils längst fest, bevor dazu die Bibel aufgeschlagen wird! Gott erhält de facto keine Chance, dass seine durch die Bibel geoffenbarte Sicht zu diesen Themen auch nur diskutiert, geschweige denn akzeptiert würde. Natürlich hat er uns zu beiden Themen seine Grundhaltung sowie klare Anweisungen zum Umgang mit ihnen offenbart. Diese erschließen sich aber nur dem, der sich traut, die Bibel „ergebnisoffen“ zu lesen. Genau das wird aber tunlichst vermieden, sobald man ahnt, dass das Ergebnis nicht wie gewünscht ausfallen könnte.
Weil es nun aber so peinlich offensichtlich ist, dass wir auch bei diesen Themen unsere Ansichten der Bibel überstülpen, statt Gottes Wort ernsthaft danach zu befragen, werden bibeltreue „Gegner“ auch im evangelikalen Bereich mit Gewalt mundtot oder zumindest lächerlich gemacht, so dass diese selbst in der eigenen Gemeinde nicht mehr wagen, den unbiblisch lästerlichen Mainstream bei den Themen „Homosexualität“ und „Ehe für alle“ in Frage zu stellen!
Und was bei den großen Themen funktioniert, machen wir natürlich genauso in unserem kleinen, persönlichen Rahmen:
- Für unseren kleinkarierten Geiz, wenn es um finanzielle Unterstützung von Gottes Sache geht, suchen wir uns alttestamentliche Stellen, mit denen wir unseren überbordenden Wohlstand mit „sichtbarem Segen Gottes“ rechtfertigen können – unbesehen davon, dass Jesus im Neuen Testament eine ganz klare, aber eben durchaus unbequeme Linie bezüglich persönlichem Reichtum und Wohlstand vor...
Inhaltsverzeichnis
- Über den Autor
- Motto
- Inhaltsverzeichnis
- Darum geht‘s
- 1. Unsere Meinung statt Gottes Meinung
- 2. „Weiter so!“ statt Umkehr
- 3. Zementierung statt Heiligung
- 4. Mammon statt Jesus
- 5. Mitschwimmen statt dagegenhalten
- 6. Mir statt dir
- 7. Opportunismus statt Leitung
- 8. Emotionalität statt Auftrag
- 9. Methodensuche statt Hingabe
- 10. „Jesus, folge mir nach!“statt Nachfolge
- Ausschließlich Gnade
- Weitere Informationen
- Impressum
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