
- 534 Seiten
- German
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Über dieses Buch
Licht ist lebensnotwendig. Licht beeindruckt. Es vermittelt uns etwas von Gottes Größe und Kraft. Aber das physikalische Licht kann nicht Gottes Herz offenbaren und es kann auch nicht das Herz der Menschen offenlegen. Aber genau das tut das göttliche Licht in Jesus Christus: Es scheint in der geistlichen Dunkelheit der Menschheit.
Das Johannesevangelium beschreibt die Vortrefflichkeiten des Sohnes Gottes. Im Unterschied zu den drei anderen Evangelisten geht es dabei weniger um das Wirken des Herrn Jesus, sondern mehr um seine Worte.
In einer einfachen Sprache – deren Wortschatz nur ungefähr siebenhundert Wörter umfasst – stellt der Heilige Geist in diesem Evangelium die persönliche Herrlichkeit des Sohnes Gottes in den Vordergrund.
Mit dieser klar strukturierten Vers-für-Vers-Auslegung ist es Hamilton Smith gelungen, die inhaltsreichen Verse des Johannesevangeliums gut verständlich zu erklären und dem Leser den Sohn Gottes groß zu machen.
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Information
eBook-ISBN:
9783892875956
Jahr
2019Kapitel 1
Das ewige Wort
Johannes 1,1–18
Das große Thema der einleitenden Verse des Johannesevangeliums ist die Herrlichkeit der Person Christi als das ewige Wort. Zuerst werden unsere Gedanken zurück in die Ewigkeit gelenkt, um seine Herrlichkeit als göttliche Person kennenzulernen; wenn es dann um Raum und Zeit geht, wird uns seine Herrlichkeit als Schöpfer vorgestellt; schließlich heißt es, dass das Wort Fleisch wurde, und wir sehen seine Herrlichkeit als ewiger Sohn in Beziehung zu seinem Vater.
Verse 1.2: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott.
Das Evangelium beginnt mit der erhabenen Aussage: „Im Anfang war das Wort“. Ohne Einleitung werden unsere Gedanken direkt zurück in die Ewigkeit gelenkt, bevor die Zeit begann oder die Schöpfung existierte. Wir lernen, dass die herrliche Person, die hier „das Wort“ genannt wird, keinen Anfang hat. Bereits am Anfang von allem, was einen Anfang hat, war das Wort – nicht: begann das Wort. „Im Anfang war das Wort“ ist der Ausdruck dafür, dass das Wort keinen Anfang hat.
Als Erstes erfahren wir also, dass das Wort eine ewige Person ist. Das Wort, diese gepriesene Person, offenbart Gott. Diese Person der Gottheit ist in sich selbst, aber auch durch das, was sie tut und was sie geworden ist, der Ausdruck Gottes und seiner Gedanken.
Weiter heißt es, dass das Wort „bei Gott“ war. Das Wort ist also nicht nur eine ewige Person, sondern auch eine klar unterschiedene, eigenständige Person in der Gottheit. Das Wörtchen „bei“ drückt aber nicht nur Eigenständigkeit aus, sondern deutet auch einen Austausch unter den Personen der Gottheit an. Dann lesen wir: „Das Wort war Gott.“ Schon im ersten Satz erfahren wir, dass das Wort eine ewige Person ist. Das schließt ein, dass es auch eine göttliche Person sein muss. Doch wenn es um die Herrlichkeit dieser Person geht, sind uns keinerlei Schlussfolgerungen überlassen, und seien sie noch so richtig. Deshalb heißt es hier ausdrücklich: „Das Wort war Gott“ – eine göttliche Person.
Schließlich lesen wir: „Dieses war im Anfang bei Gott.“ Das ist keine bloße Wiederholung der bereits erwähnten Tatsache, dass das Wort eine eigenständige Person bei Gott ist. Hier erfahren wir eine weitere Wahrheit: Das Wort war von Ewigkeit her eine Person in der Gottheit. Der Geist Gottes wacht sorgfältig über die Herrlichkeit dieser Person gegenüber solchen, die wohl zugeben würden, dass das Wort eine eigenständige Person ist, zugleich aber behaupten, dass es einen Zeitpunkt gab, an dem Er eine eigenständige Person geworden ist. Nein, Er war es schon immer!
Wenn der Herr vom Beginn seines Dienstes spricht, verwendet Er den Ausdruck „von Anfang an“ (Kap. 6,64; 15,27), genauso wie Johannes, wenn er vom Beginn des Christentums redet. Doch hier, wo die Rede von dem ist, der keinen Anfang hat, finden wir zweimal den Ausdruck „im Anfang“. Darüber hinaus ist bemerkenswert, dass es hier heißt: „Das Wort war bei Gott“ – nicht: bei dem Vater. Wort und Gott stehen in einer Beziehung zueinander – wie auch Sohn und Vater. Die Bezeichnung Gott umfasst nicht nur den Vater, sondern auch den Heiligen Geist und den Sohn. Wort und Gott sagen also etwas über das Wesen göttlicher Personen aus – während Vater und Sohn von der Beziehung zwischen göttlichen Personen sprechen. Das große Ziel dieser Verse ist, die Herrlichkeit Christi festzuschreiben: Er ist dem Wesen nach eine göttliche Person.
So beschreibt der Geist Gottes bereits in diesen Anfangsversen in wenigen und zugleich sehr einfachen Worten die Herrlichkeit der Gottheit unseres Herrn. Das Wort ist also: eine ewige Person, eine klar unterschiedene, eigenständige Person in der Gottheit, eine göttliche Person und eine von Ewigkeit her eigenständige Person in der Gottheit.
In diesem Evangelium stehen wunderbare „himmlische Dinge“ vor uns, und sie alle beruhen auf der Grundlage der Herrlichkeit der Person Christi. Die Gottheit des Sohnes infrage zu stellen, untergräbt das Fundament, worauf jeder menschliche Segen beruht. Was auch immer für ausgeklügelte, religiöse Systeme Menschen errichten mögen oder wie sehr sie sich auch zur Ehre des Namens Christi bekennen mögen: Wenn sie nicht auf diesem Fundament bauen, wird ihr Werk keinen Bestand haben.
Vers 3: Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eins, das geworden ist.
In den ersten beiden Versen wurde die Herrlichkeit des Wortes als eine göttliche Person festgestellt. Nun treten wir aus der Ewigkeit in die Zeit, um die zwei wunderbaren Wege kennenzulernen, in denen Gott durch das Wort kundgemacht wird: durch die Schöpfung (V. 3) und indem das Wort Fleisch wurde (V. 14). Hier heißt es nun: „Alles wurde durch dasselbe“ – durch das Wort. Diese positive Aussage wird durch die folgende Verneinung noch verstärkt: „Ohne dasselbe wurde auch nicht eins, das geworden ist“. Alles, was geworden ist, ob groß oder klein, belebt oder unbelebt, geistig oder materiell, ist durch das Wort geworden. Die Personen der Gottheit selbst werden hier automatisch durch die gewählte Formulierung ausgeschlossen: Sie waren – niemals wurden sie! Die Schöpfung zeigt aber nicht nur, dass es einen Schöpfer gibt, sondern auch, wie groß dieser Schöpfer ist. „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündet seiner Hände Werk. Ein Tag berichtet es dem anderen, und eine Nacht meldet der anderen die Kunde“ (Ps 19,1.2; vgl. Röm 1,20).
Vers 4: In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
Vers 3 spricht von dem, was durch das Wort geworden ist; Vers 4 dagegen zeigt uns, was in dem Wort ist: „In ihm war Leben.“ Die erste Aussage spricht von der Beziehung des Wortes zum gesamten geschaffenen Universum, die zweite von der Beziehung zu uns Menschen. Bei dem „Leben“, von dem hier die Rede ist, kann es sich somit nicht um das natürliche Leben in der Schöpfung handeln. Das Wort als der Schöpfer ist zweifellos die Quelle des natürlichen Lebens, durch das Pflanzen und Tiere leben und sich fortpflanzen. Hier aber ist mit „Leben“ göttliches Leben gemeint. Dieses Leben wird das Licht von Menschen, die bereits natürliches Leben haben. Das „Leben“ wird anderen mitgeteilt, doch es wurde niemals dem Wort mitgeteilt, denn „in ihm war Leben“.
Dieses Leben war das Licht der Menschen. Deshalb kann der Herr sagen: „Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Kap. 8,12). Das natürliche Licht kann den Menschen das Herz Gottes nicht offenbaren, doch das Leben, das in dem Wort ist, offenbart den unsichtbaren Gott in vollkommener Weise.
Auch das Licht des Verstandes kann Gott nicht finden. Nur das Licht des Lebens in dem Wort, das Fleisch wurde, kann Gott kundmachen.
Vers 5: Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Doch der Mensch ist gefallen. Wenn das Licht also scheint, dann scheint es hinein in die Finsternis und in die Unkenntnis über Gott. Weiter lesen wir: „Die Finsternis hat es nicht erfasst.“ Geistliche Finsternis bedeutet also nicht nur Unkenntnis oder Abwesenheit von Licht, sondern Widerstand gegen das Licht. Natürliches Licht würde die natürliche Dunkelheit vertreiben, doch solange der Mensch sich selbst überlassen ist, kann das geistliche Licht seine geistliche Finsternis nicht vertreiben. Das Licht des Lebens, das von dem ewigen Wort ausgeht, macht die moralische Unfähigkeit des Menschen deutlich – so wie später die Liebe, die der Herr in seinem Leben gezeigt hat, den Hass der Menschen noch deutlicher zutage treten ließ.
Verse 6–9: Da war ein Mensch, von Gott gesandt, sein Name Johannes. Dieser kam zum Zeugnis, damit er von dem Licht zeugte, damit alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern damit er von dem Lichte zeugte. Das war das wahrhaftige Licht, das, in die Welt kommend, jeden Menschen erleuchtet.
Die Anfangsverse haben uns die Herrlichkeit des Wortes gezeigt: zunächst in Bezug auf Gott, dann in Bezug auf die Schöpfung und zuletzt in Bezug auf den Menschen. Die folgenden Verse zeigen uns nun, wie Gott den Menschen das Licht in dieser Welt vorstellte. Denn Gott gab nicht nur das Licht, sondern Er sandte auch einen Vorläufer, um die Menschen auf das Licht aufmerksam zu machen: Johannes den Täufer. Wir erfahren nichts über Johannes' Beziehung zu den Juden oder zu irdischen Dingen – er ist „von Gott gesandt“ und zeugt von dem, was völlig neu ist: von dem Licht. In den anderen Evangelien bezeugt er dem bußfertigen Volk Israel den König und sein Königreich; hier im Johannesevangelium bezeugt er allen Menschen das Licht.
Doch wenn Gott einen Vorläufer sandte, wachte Er gleichzeitig sorgfältig über die Herrlichkeit Christi. So groß Johannes auch gewesen sein mag – es gab nur einen, der das Licht ist. Johannes war nur eine „brennende und scheinende Lampe“ (Kap. 5,35), doch das Wort ist das Licht, das in die Welt kam, um jeden Menschen zu erleuchten. Dabei leuchtete es in zwei Richtungen: Es stellte den Menschen bloß – und es offenbarte Gott. Der Herr ging „wohltuend und heilend“ umher (Apg 10,38), doch sein eigentlicher Beweggrund war, Gott bekannt zu machen. So machte Er nicht nur blinde Augen wieder sehend, um die Blindheit zu heilen, sondern um die Liebe Gottes zu zeigen, die den Nöten der Menschen begegnet. Licht ist die Offenbarung Gottes in Liebe gemäß der vollen Wahrheit über den Zustand des Menschen und der Heiligkeit Gottes.
Verse 10.11: Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn, und die Welt kannte ihn nicht. Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an.
Dann erfahren wir, wie das Licht auf den sich selbst überlassenen Menschen wirkt: „Die Welt kannte ihn nicht“ und „die Seinen (die Juden) nahmen ihn nicht an“. Das Licht offenbart, dass der Mensch nicht nur absolut unempfänglich ist für das, was gut und vollkommen ist, sondern dass er sich sogar dem Einen widersetzt, in dem sich alles Gute kundtut. Auf sich selbst gestellt ist der Mensch in einem hoffnungslosen Zustand.
Verse 12.13: So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus Geblüt noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
Doch in seiner souveränen Gnade überlässt Gott die Menschen nicht völlig sich selbst. Er wirkt in ihnen und so nehmen einige Christus auf – solche, „die an seinen Namen glauben“. Ihnen gibt Er „das Recht, Kinder Gottes zu werden“. Sie bilden ein neues Geschlecht, allerdings nicht durch natürliche Geburt („aus Geblüt“) oder durch eigene Anstrengungen („aus dem Willen des Fleisches“) oder durch den Willen eines anderen („aus dem Willen des Mannes“), sondern durch das neue Leben, das sie von Gott empfangen.
Vers 14: Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns (und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater) voller Gnade und Wahrheit.
Die ersten dreizehn Verse zeigen uns die Herrlichkeiten der Person Christi: Er ist das Wort; Er ist eine ewige, eigenständige und göttliche Person innerhalb der Gottheit; Er ist der Schöpfer aller Dinge; Er ist der, in dem das Leben ist; Er ist das Licht der Menschen.
In den nächsten Versen erfahren wir nun, wie diese wunderbare Person in diese Welt kam, um den Menschen das Licht des Lebens zu bringen. Der, der „im Anfang“ das Wort war, wurde Fleisch. Wir haben gesehen, wer Er ist und wer Er in der Ewigkeit war. Jetzt wird uns gesagt, was Er in der Zeit wurde. Er wurde nicht das Wort, als er Mensch wurde, nein, Er war es bereits, denn es heißt: „Das Wort wurde Fleisch“.
Dieses gewaltige Ereignis – dass das ewige Wort Mensch wurde – lässt uns wunderbare und gesegnete Folgen erwarten. Drei herausragende Auswirkungen seiner Menschwerdung werden uns in den nächsten Versen vorgestellt:
- die Offenbarung der ewigen Beziehungen zwischen den göttlichen Personen (V. 14)
- die Haltung Gottes gegenüber dem Menschen (V. 14)
- Gott wird in seiner ganzen Fülle bekannt gemacht (V. 18)
Die ewigen Beziehungen zwischen den göttlichen Personen
Nachdem das Wort Fleisch wurde kann der Apostel Johannes sagen: „Wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater“. Die Herrlichkeit, die sie anschauten, entsprang nicht der Menschheit, die Er angenommen hatte, sondern seiner Beziehung innerhalb der Gottheit. Seine Herrlichkeit war einzigartig, es war die Herrlichkeit als eingeborener Sohn, einer Beziehung, die Er in Gemeinschaft mit Gott als seinem Vater genoss. Johannes beschreibt und bekräftigt seine Menschheit – und wacht doch gleichzeitig über die Herrlichkeit seiner Person.
Die Haltung Gottes gegenüber dem Menschen
Nachdem wir gelesen haben, dass das Wort Fleisch wurde, erfahren wir sogleich, was Gott im Blick auf den Menschen am Herzen liegt. Der, der Fleisch wurde, wohnte unter uns „voller Gnade und Wahrheit“. So wie Er kam, so brauchten wir Ihn. Er kam nicht, um etwas von uns zu fordern, wie das Gesetz es tat; Er kam als Geber und wollte denen, die unwürdig waren, in Gnade Segen bringen. Außerdem kam mit Christus die volle Wahrheit. Das, was Mose und die Propheten gesagt hatten, war die Wahrheit – aber es umfasste eben nicht die gesamte Wahrheit. Denn das Gesetz sagt mir, was ich sein soll, aber es sagt mir nicht, was ich bin. Christus dagegen zeigte nicht, wie etwas sein sollte, sondern wie etwas war.... Christus sagt mir die Wahrheit über alles, egal, ob es gut oder böse ist.
Vers 15: Johannes zeugt von ihm und rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir Kommende hat den Vorrang vor mir; denn er war vor mir.
Noch einmal wird das Zeugnis Johannes des Täufers über diese herrliche Person, die im Fleisch kam, erwähnt. Der Eine, der voll Gnade und Wahrheit ist, nimmt in der Zeit einen weitaus höheren Platz ein als Johannes, da Er bereits vor ihm war, nämlich von Ewigkeit her.
Verse 16.17: Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.
Doch die Fülle der Gnade, die in Christus war, zeigte sich nicht nur, als das Wort Fleisch wurde und unter uns wohnte, sondern wir haben auch „aus seiner Fülle alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade“. Christus war nicht nur auf der Erde, um Gnade in sich selbst darzustellen, sondern auch um Gnade an andere weiterzugeben, und das überreichlich, nämlich: „Gnade um Gnade“. Das Gesetz wurde durch Mose gegeben: Es forderte vom Menschen, was er sein sollte – gegenüber Gott und gegenüber dem Nächsten. Die Gnade, die durch Jesus Christus gekommen ist, bringt dem Menschen dagegen Segen, und zwar so, wie er es nötig hat. Dabei hält sie die Wahrheit über das, was Gott in seiner unendlichen Heiligkeit ist, vollkommen aufrecht.
Vers 18: Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat ihn kundgemacht.
Gott wird in seiner ganzen Fülle bekannt gemacht
„Das Wort wurde Fleisch“ – damit wurde Gott vollständig offenbart. Zur Zeit des Alten Testaments hatte Gott sich nur teilweise kundgemacht: in seinen Kennzeichen als der Allmächtige oder als der Unveränderliche. Doch sein Herz konnte Gott erst offenbaren, als der Sohn kam. Kein Mensch war groß genug, um Gott kundzumachen. Niemand, außer einer göttlichen Person, konnte Ihn als göttliche Person offenbaren, denn „niemand hat Gott jemals gesehen.“ Der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, hat den Vater kundgemacht – so wie Er Ihn kennt. Jemand hat einmal gesagt: „Hier wird nicht nur seine Herrlichkeit auf Erden beschrieben, sondern das, was Er im Schoß des Vaters in der Gottheit war, ist und immer sein wird. So hat Er uns Gott kundgemacht.“
Das dreifache Zeugnis Johannes des Täufers
Johannes 1,19–37
Nach den einleitenden Versen gibt uns das Evangelium jetzt ein bemerkenswertes Zeugnis über Christus: Zunächst an drei aufeinanderfolgenden Tagen durch Johannes den Täufer und dann durch den Herrn selbst, ebenfalls wieder an drei aufeinanderfolgenden Tagen.
Das Zeugnis des ersten Tages, das Johannes erwähnt, ist Inhalt der Verse 19–28. Das Zeugnis des zweiten Tages finden wir in den Versen 29–34, es beginnt mit den Worten: „Am folgenden Tag sieht er“. Das Zeugnis des letzten Tages steht in den Versen 35–37 und wird durch die Worte eingeleitet: „Am folgenden Tag stand Johannes wieder da“.
Das Zeugnis Johannes des Täufers, wie es uns im Johannesevangelium gezeigt wird, steht in einem bemerkenswerten Gegensatz zu seinem Zeugnis in den Berichten von Matthäus und Lukas. In diesen beiden Evangelien legt Johannes sein Zeugnis ab in der Gegenwart von Sündern, im Johannesevangelium dagegen in der Gegenwart des Sohnes Gottes. Bei Matthäus und Lukas spricht er als Prophet zu der Volksmenge, um ihr Gewissen zu erreichen und Menschen von ihren Sünden zu überführen; hier aber, in der Gegenwart einer göttlichen Person, spricht er als Anbeter. Bescheiden und mit einfachen Worten redet er von dem, dessen Sandalenriemen er nicht würdig ist, zu lösen. Bei Matthäus und Lukas bedrückt ihn die Schuld des Volkes; hier aber ist er von der Herrlichkeit Christi erfüllt. Christus ist für Johannes alles in allem; er selbst ist nur eine Stimme, die schon bald wieder verstummen wird.
Am ersten Tag ist das Ziel seines Dienstes, sich selbst zu verbergen und Christus groß zu machen. Das Thema des zweiten Tages ist die Herrlichkeit der Person Christi und die Größe seines Werkes, das der Not der Welt begegnet. Am letzten Tag seines Dienstes stellt er die Person Christi vor, wie sie das Herz eines Gläubigen erfüllt.
Der erste Tag des Zeugnisses durch Johannes den Täufer
Johannes 1,19–28
An diesem ersten Tag tritt Johannes in den Hintergrund. Er möchte Christus als den neuen Sammelpunkt seines Volkes vorstellen. Er will das Volk um Christus versammeln und so tauft er, um die Gläubigen von dem verderbten religiösen System jener Tage zu trennen. Schließlich wird deutlich, dass Christus von der religiösen Welt abgelehnt wird.
Verse 19–21: Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden aus Jerusalem Priester und Leviten zu ihm sandten, damit sie ihn fragen sollten: Wer bist du? Und er bekannte und leugnete nicht, und er bekannte: Ich bin nicht der Christus. Und siefragten ihn: Was denn? Bist du Elia? Und er sagt: Ich bin es nicht. -Bist du der Prophet? Und er antwortete: Nein.
Alle diese Wahrheiten kommen in dem Gespräch zwischen Johannes und den Vertretern der Juden ans Licht. Die Priester und Leviten, die von Jerusalem gesandt sind, stellen ihm die Frage: „Wer bist du?“ Erfüllt von Christus entgegnet er: „Ich bin nicht der Christus.“ Das ist eine bemerkenswerte Antwort, denn in der Frage ging es ja gar nicht um Christus. Es ist, als ob Johannes sagt: „Ihr seid zwar zu mir gekommen, aber ich bin nicht der, den ihr braucht. Ich bin nicht der Christus.“ Als treuer Zeuge weist er auf Christus hin und tritt selbst zurück. Je mehr er gezwungen wird, über sich selbst zu sprechen, desto kürzer werden seine Antworten. Sie fragen ihn: „Bist du Elia?“, er antwortet: „Ich bin es nicht“; sie fragen: „Bist du der Prophet?“, er antwortet mit einem einzigen Wort: „Nein“. Johannes tritt zurück, damit Christus hervortreten kann.
Verse 22.23: Sie sprachen nun zu ihm: Wer bist du? – damit wir denen Antwort geben, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst? Er sprach: Ich b...
Inhaltsverzeichnis
- Titelseite
- Impressum
- Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Kapitel 1
- Kapitel 2
- Kapitel 3
- Kapitel 4
- Kapitel 5
- Kapitel 6
- Kapitel 7
- Kapitel 8
- Kapitel 9
- Kapitel 10
- Kapitel 11
- Kapitel 12
- Kapitel 13
- Kapitel 14
- Kapitel 15
- Kapitel 16
- Kapitel 17
- Kapitel 18
- Kapitel 19
- Kapitel 20
- Kapitel 21